Peter Schröder

Kommentar

Peter Schröder

Verwirrte Geister

05.08.2019 • 05:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Andere Länder, andere Sitten, heißt es ja. Und oft genug ist dem hinzuzufügen: Von jeder Art der Nachahmung wird dringend abgeraten. Beispielsweise von Begeisterung für Hinrichtungen, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus,  sowie anderen Übergriffigkeiten und Diskriminierungen.

Aber auch davor, wie in manchen anderen Ländern Politik gemacht und regiert wird. Das betrifft nicht nur ferne Mord- und Gewalt-Diktaturen, „gelenkte Demokratien“, Gulag-Territorien, sowie Populisten- und andere Verführungsregime. Sondern auch gestandene Demokratien, die ganz nahe bei uns sind. Brüder und Schwestern im verwirrten Geiste sozusagen.

Nehmen wir nur das gemeinhin so genannte Vereinigte Königreich. Das leistete sich in der Causa Brexit ein Parlament, das der Regierung nichts genehmigte, was diese wollte. Daraufhin kündigte die Premierministerin und ein Nachfolger wurde nach Landessitte „vom Volk gewählt“. Wahlberechtigt waren im 66,1-Millionen-Volk aber nur 159.320 Mitglieder der Konservativen Partei. Bekanntes Ergebnis: Exakt 92.153 Briten und damit nicht einmal 0,2 Prozent des Volkes wollten Boris Johnson haben und bekamen ihn. Wie die Insulaner da „Demokratie“ buchstabieren, wissen sie vielleicht selbst nicht.

Nächste bitte-nicht-Geschichte: Die US-Amerikaner müssen Ende kommenden Jahres ihren Präsidenten wählen. Doch der Wahlkampf ist bereits in vollem Gange. Der wiedergewählt werden wollende Donald Trump hat mit dem Wahlkämpfen direkt nach seiner letzten Wahl vor zweieinhalb Jahren damit angefangen. Bislang ist er schon bei 62 Wahlkampf-Großveranstaltungen aufgetreten. Was die US-Steuerzahler bereits rund eine halbe Milliarde Dollar kostete.

Bei den oppositionellen Demokraten kämpfen auf großangelegten Fernseh-Podiumsdiskussionen derweil nicht weniger als 20 Kandidaten darum, gegen Trump antreten zu dürfen. Doch statt den Millionen Zuschauern zu verklickern, was sie nun genau besser machen wollen als der Amtsinhaber, streiten sie sich untereinander wie die Kesselflicker. Dabei arbeiten sie sich vor allem am Umfrage-Favoriten Joe Biden ab, der Vizepräsident von Trump-Vorgänger Barack Obama war.

In den Augen der nicht besonders glorreichen 20 hat der Umfragen zufolge beliebteste Ex-Präsident der US-Geschichte, den die USA-ler stante pede wiederwählen würden, hauptsächlich politischen Dreck am Stecken. Und Biden muss sich vorhalten lassen, nichts gegen „Obamas Missetaten und Versäumnisse“ getan zu haben. Ein mehr verwirrendes Beispiel dafür, wie vernunftbegabte Politik nicht praktiziert werden soll, gibt es kaum.

Fazit: Es ist wohl an der Zeit, Goethes Erkenntnis „Amerika du hast es besser“ umzudichten. Zumindest bis zum Ende des amerikanischen Alptraums.