Ende der Ohnmacht

11.08.2019 • 20:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Ohnmacht geht um. Eine, die in keinem medizinischen Textbuch steht, von der bereits unzählige Millionen geplagt werden, und gegen die keine Pille hilft. Es ist die „ich-kann-es-nicht-mehr-hören“-Ohnmacht.

Denn mal ehrlich: Wem hängt das zum mentalen Abschalten führende tagtägliche Krisen- und Katastrophen-Meldungs-Gebrabbel nicht zum Hals heraus: Etwa die psychotischen Polit-Kapriolen eines US-Präsidenten, die am Persischen Golf (Iran) und in Asien (Nordkorea) zu Nuklearkriegen führen können. Und die Trumps Freunde und Widersacher betreffende Strafzoll-Obsession, die den Virus zu einer neuen Weltwirtschaftskrise in sich hat. Dabei erscheinen seine Rassismus und Neo-Faschismus befeuernden Verbal-Exzesse schon fast wie Petitessen.

Ohnmachtsschreie der „die sind wohl total verrückt geworden“-Kategorie löst dazu der allen EU-Europäern nicht nur ans Portemonnaie gehende „Brexit-über-alles-und-um-jeden-Preis“-Kahlschlag der britischen Regierung von Premier Johnson aus.

Der als italienischer Innenminister amtierende und „Flüchtlinge nein Danke“-Westentaschen-Mussolini Salvini lässt gerade die Koalitionsregierung in Rom platzen. Damit seine „Lega“-Neo-Faschisten die Alleinherrschaft übernehmen können.

Ermattet nicht mehr groß zur Kenntnis genommen werden derweil die Demokratie-Abbrucharbeiten in Polen und Ungarn, die rund 300 Millionen Europäern den EU-Staatenbund und die Gemeinschaftwährung um die Ohren fliegen lassen können. Was die vormarschierenden Populisten sonst noch alles in petto haben, wird ebenfalls negiert. Und vom amerikanisch initiierten neuen weltweiten Rüstungswettlauf, von Menschenrechtsschindern und Mordregimen will auch kaum jemand noch etwas wissen.

Der Hype zum Klimawandel-Prozess verschwindet ebenfalls vom Schirm. Denn was soll man/frau schon von den Politiker-Versprechen halten, das Problem in den nächsten 20 oder 40 Jahren nun wirklich zu lösen? Denn ohne Handeln werden dann schon ganze Küstengebiete im Wasser versunken, viele Inseln verschwunden, und riesige Anbauflächen in Wüsten verwandelt sein. Mit der Folge von Hungersnöten, gigantischen neuen Flüchtlingsströmen und mörderischen Verteilungskrisen.

Was sagt uns das? Erstens, dass wir alle die Ohnmacht überwinden, uns schnellstens wieder mächtig aufregen und rebellieren, und von „denen da oben“ fordern müssen, schnellstens zu handeln. Die ganz „Alten“, denen das Allerschlimmste aus biologischen Gründen vielleicht erspart bleibt. Und die „Jungen“, die alles werden ausbaden müssen. Fahren wir den Populisten, den Lügnern, Verführern, und den „weiter so“-Problem-Ignorierern in die Parade. Lautstark, jetzt und bei der nächsten Wahl. Denn Demokratie ist keine Wartehalle.

„Der Hype zum Klimawandel-Prozess verschwindet ebenfalls vom Schirm. Denn was soll man/frau schon von den Politiker-Versprechen halten, das Problem in den nächsten 20 oder 40 Jahren nun wirklich zu lösen?“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at