Jemen-Lawine Richtung Golf

12.08.2019 • 20:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Jemens Präsident Hadi wird wohl im Exil in Saudi-Arabien bleiben müssen. afp
Jemens Präsident Hadi wird wohl im Exil in Saudi-Arabien bleiben müssen. afp

Saudischer Abwehrpakt gegen Iran zerbrach in Aden.

sanaa Im blutigen, besonders für die Zivilbevölkerung mit Bombenterror und Hunger verlustreichen Bürgerkrieg in Jemen tut sich eine neue Front auf: Bisher hatte es sich seit 2014 um einen Aufstand der nördlichen Huthi-Schiiten gegen Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi gehandelt. Dessen Unterstützung durch Saudi-Arabien und andere arabische Staaten sowie die Parteinahme Irans für seine „schiitischen Brüder“ machten den Konflikt zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Riad und Teheran. Mit dem jüngsten Umsturz in Aden, dem Sitz der Zentralregierung, durch südjemenische Separatisten, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt werden, hat sich im Jemen eine umwerfende Konstellation ergeben. Sie entlastet die Huthis und zeigt eine Spaltung der von den Saudis geführten prowestlichen Koalition gegen die Islamische Republik Iran.

Seit Tagen begünstigt des Kriegsglück die Freischaren des „Südlichen Übergangsrates“ (STC). In Aden befinden sie sich nun in einer Position der Stärke. Ihr Anführer Aidarus al-Zubaidi scheint mit dem Erreichten zufrieden. Er sprach am Montag von Waffenruhe, beansprucht er doch nur den Süden, so wie die Huthis Nordjemen. Präsident Hadi hingegen, der hier wie dort herrschen will, kann wohl nie mehr aus seinem Exil in Saudi-Arabien heimkehren. Zubaidi ist als Akteur an seine Stelle getreten. Riad tut sich schwer, im Jemen nun nach zwei Seiten Krieg zu führen, vor allem seit dem Abzug der Emiratssoldaten im Juli.

Bei ihrem Eingreifen in den ursprünglichen Bürgerkrieg Huthis vs. Zentralregierung hatten Saudis und Emirate von Anfang an unterschiedliche Ziele verfolgt: Riad will ein Gesamtjemen als Satellitenstaat, wie das schon seit den 1920er Jahren ein Ziel saudischer Politik war. In Abu Dhabi heißt das Ziel hingegen Ausdehnung seiner Herrschaft am Golf auf die südliche Küste der Arabischen Halbinsel.

Bereits 2018 wurde von den Emiraten die Insel Sokotra ganz unter ihre Kontrolle gebracht. Dort hatten zuerst die Briten und dann bis zur Wende die Sowjets ihre Hauptflotten- und Luftwaffenbasen am Indischen Ozean etabliert. Jetzt war bei der Emiratsoperation das Scheichtum Ras al-Cheima (Spitze des Zeltes) führend. Das alte Piratennest hatte seit dem 18. Jahrhundert wiederholt nach Inseln vor der südjemenitischen Küste gegriffen.

Für den globalen Konflikt am Golf mit Iran bedeutet der Zusatzkonflikt im Jemen eine Zersplitterung der Abwehrgemeinschaft gegen Teherans Großmachtgelüste. Nachdem sich schon Oman und Katar nicht mehr am Gängelband der Saudis führen lassen, gehen jetzt auch die Emirate ihren eigenen Weg. Wie schon bisher die ganze Jemenkrise kommt jetzt auch ihre Auffächerung erst recht den iranischen Ayatollahs zugute. GSTRE