Ruf nach attraktiverem Papamonat

Politik / 12.08.2019 • 21:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Rechtsanspruch auf den Papamonat wurde Anfang Juli im Nationalrat be­schlossen. APA
Der Rechtsanspruch auf den Papamonat wurde Anfang Juli im Nationalrat be­schlossen. APA

Auch Soziallandesrätin Wiesflecker für bessere Bezahlung.

wien Das freie Spiel der Kräfte im Nationalrat hat eine Mehrheit möglich gemacht: SPÖ, FPÖ und Liste Jetzt einigten sich Anfang Juli auf einen Rechtsanspruch auf den Papamonat. Bisher galt er nur im öffentlichen Dienst. Das ändert sich ab September. Dann sollen auch Väter, die in der Privatwirtschaft tätig sind, profitieren. Sie müssen ihren Wunsch dem Arbeitgeber drei Monate im Voraus mitteilen. Geht es nach der Arbeiterkammer, ist das derzeitige Modell aber nicht zufriedenstellend: Sie ärgert sich über die Bezahlung. Auch Vorarlbergs Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) sieht Verbesserungsbedarf. „Die Väterbeteiligung muss grundsätzlich in der ganzen Kindererziehungszeit erhöht werden.“ Eine bessere Bezahlung des Papamonats sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

700 Euro wieder abgezogen

Bereits seit März 2017 ist der Papamonat Realität. Mit Stand Juni 2018 gab es 6070 Anträge auf die sogenannte Familienzeit, 277 in Vorarlberg. Diese muss nach der Geburt innerhalb der ersten 91 Tage in Anspruch genommen werden. Löhne und Gehälter werden ausgesetzt, dafür gibt es 700 Euro. Gehen die Väter in Karenz, werden die 700 Euro vom Kinderbetreuungsgeld abgezogen.

Zwar sei der Rechtsanspruch als Erfolg zu werten, erklärt AK-Präsidentin Renate Anderl. Es brauche aber eine eigenständige Geldleistung von 80 Prozent des letzten Monatseinkommens. Und zwar zusätzlich und nicht als Teil des späteren Kinderbetreuungsgeldes. Unterstützung kommt von der SPÖ. Das Geld könnte ebenso wie das Kinderbetreuungsgeld aus dem Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) bezahlt werden, teilt die Partei auf VN-Nachfrage mit. Auch die Neos können sich vorstellen, dass es für den Papamonat 80 Prozent des letzten Monatseinkommens geben soll. Die Leistung solle aber gleich über das einkommensabhängige Kindergeld abgewickelt werden, das ebenfalls in dieser Höhe ausgezahlt wird. „Man muss sich ein vernünftiges Modell überlegen“, meint Wiesflecker. Wie das aussehen soll, könne noch verhandelt werden. Tendenziell sei es wohl sinnvoller, die Geldleistung nicht mit dem Kinderbetreuungsgeld abzurechnen. „Derzeit ist die Anzahl von Männern, die den Papamonat in Anspruch nimmt, gering. Man könnte als Anreiz ausprobieren.“ Der ÖVP-Familiensprecher im Nationalrat, Norbert Sieber, ist kritisch. Zwar stehe die Volkspartei zur Väterbeteiligung. Doch der jüngste Beschluss sei zu wenig flexibel ausgefallen; der Rechtsanspruch fordere bereits die Wirtschaft heraus. Nun von zusätzlichen Geldleistungen zu sprechen, halte er für verfehlt. „Das scheint mit eine Überforderung zu sein. Da wird es noch intensive Verhandlungen brauchen.“ VN-RAM

„Das scheint mit eine Überforderung zu sein. Da wird es intensive Verhandlungen brauchen.“