Die Einsicht des Søren Espersen

Politik / 18.08.2019 • 22:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vom amerikanischen Präsidenten Donald J. Trump ist die Welt ja schon Einiges gewöhnt. Aber sein aktuellster Geniestreich lässt besonders intensiv am Verstand des ehemaligen Immobilienhais zweifeln: Es geht um seinen krachend gescheiterten Plan, das dänische Grönland, die von Eis bedeckte größte Insel der Welt mit ihren 56.000 dänischen Bewohnern einfach zu kaufen und zum 51. Bundesstaat der Vereinigten Staaten zu machen.

Vermutlich wegen der dort beim fortschreitenden Klimawandel auf ihre Ausbeutung „wartenden“ Bodenschätze, der geostrategischen Lage, und um als glorreicher US-Erweiterer in die Geschichte einzugehen.

Sozusagen die US-Version einer Krim-Annektierung mit dem Scheckbuch. Für Søren Espersen, Parlamentssprecher des dänischen Autonomiegebietes, ist die Kaufofferte nur schlicht „der letzte Beweis, dass er (Trump) verrückt geworden ist“.

Mehr oder weniger „verrückte“ Länder-Acquisitionen gegen Bares tätigten oder versuchten US-Regierungen schon mehrfach: 1803 kaufte Washington von Paris dessen Kolonialgebiete im Südosten der heutigen USA zum Schnäppchenpreis von 15 Millionen Dollar. 1867 erstand die US-Regierung für 7,2 Millionen Dollar Kleingeld den heutigen Bundesstaat Alaska von den Machthabern in Moskau. 1917 machten die Amerikaner 25 Millionen Dollar für die dänischen Westindischen Inseln in der Karibik locker und tauften den Neuerwerb in „US Virgin Islands“ um. Grönland wollten die Amerikaner 1867 schon einmal haben (von Kopenhagen indigniert abgelehnt), und 1946 bot der damalige US-Präsident Truman erfolglos 100 Millionen Dollar.

Ansonsten klauten sich die Amerikaner mit Waffengewalt Ländereien anderer Staaten, die sich diese Gegenden selbst unter den Nagel gerissen hatten: Beispielsweise das heutige Kalifornien von den Spaniern, den Süden der USA mit Texas und benachbarten Gegenden von den Mexikanern, Puerto Rico ebenfalls von den Spaniern und das selbstständige Königreich Hawaii. 1812 wollten die US-Amerikaner das benachbarte Kanada annektieren, doch die Sache ging schief: Kanadische Ureinwohner, britische Siedler und Soldaten schlugen die US-Krieger in die Flucht, verfolgten sie bis nach Washington und fackelten in der US-Hauptstadt zur Strafe das Weiße Haus und etliche Ministerien ab.

Nach dem Platzen von Trumps Grönland-Deal könnte der amtierende US-Präsident theoretisch die nächste „Verrücktheit“ veranstalten und sich das Dänen-Territorium zum Null-Tarif holen.

Denn auf der Eis-Insel sind schon mehr als 600 schwer bewaffnete US-Soldaten stationiert, die dort die amerikanische Raketen-Frühwarn-Station betreiben. Die könnten „Your land is my land“ singen und die Sache wäre erledigt. Aber so verrückt, ist zu hoffen, wird auch ein Donald J. Trump nicht sein. Oder?

„Mehr oder weniger ‚verrückte‘ Länder-Acquisitionen gegen Bares tätigten oder versuchten US-Regierungen schon mehrfach.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at