Das Glyphosatverbot steht

Politik / 20.08.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Unkrautvernichtungsmittel Roundup darf in Vorarlbergs Privatgärten bald nicht mehr verwendet werden.  Reuters
Das Unkrautvernichtungsmittel Roundup darf in Vorarlbergs Privatgärten bald nicht mehr verwendet werden. Reuters

Herbizide sollen dank neuem Gesetz völlig aus Vorarlbergs Privatgärten verschwinden.

Bregenz Am 2. Juli dieses Jahres beschloss der österreichische Nationalrat ein totales Glyphosatverbot. Vorarlbergs Landtagsabgeordnete waren sogar noch schneller. Am 8. Mai hat der Landtag die Landesregierung einstimmig dazu aufgefordert, unverzüglich ein Gesetz zu erstellen, das die „Verwendung von Glyphosat und weiteren Pestiziden“ für private Anwender verbietet. Die Landesregierung ist der Aufforderung nun nachgekommen. Sie hat die Änderung im Pflanzenschutzgesetz am Freitag in Begutachtung geschickt.

Demnach dürfen Pflanzenschutzmittel im Haus- und Kleingartenbereich nur dann verwendet werden, wenn sie als Mittel mit geringem Risiko eingestuft werden oder für die biologische Landwirtschaft zugelassen sind. In den Erläuterungen zum Gesetz wird die Auswirkung zusammengefasst. Demnach führe das neue Gesetz dazu, „dass zahlreiche Produkte, deren Verwendung bisher zugelassen war, künftig nicht mehr verwendet werden dürfen“. Damit bereits gekaufte Mittel noch aufgebraucht werden können, tritt eine Übergangsfrist bis 2021 in Kraft. Nach Ablauf der Frist müssen diese Produkte entsorgt werden.

372 Mittel erlaubt

Wer im aktuellen Pflanzenschutzmittelregister nach Mitteln für den Haus- und Kleingartenbereich sucht, findet 372 zugelassene Produkte. Wie viele davon zukünftig nicht mehr verwendet werden dürfen, geht aus dem Gesetz nicht hervor. In Kärnten führte eine ähnliche Regel zum Verbot von 341 dieser Produkte. In Kärnten ist jedoch auch von rund 150 biologischen Produkten die Rede, die weiterhin verwendet werden dürfen. Laut Günter Osl, Leiter der Abteilung für Landwirtschaft im Landhaus, steht für Vorarlberg eines schon fest: „Herbizide werden völlig aus den Gärten verschwinden.“ Darunter fällt das bekannte Glyphosatmittel Roundup.

Herbizide sind jene Mittel, die Pflanzen vernichten, also vor allem der Unkrautbekämpfung dienen. „In einem Gemüsegarten werden sie selten angewendet, allerdings oft bei Pflastersteinen oder am Rande von Swimmingpools“, fährt Osl fort. Welche Fungizide (gegen Pilze), Insektizide und andere Pestizide verboten werden, ist noch nicht klar. Thomas Nesensohn von der Abteilung für Gesetzgebung betont: „Wir arbeiten an einer bürgerfreundlichen Lösung. Entweder veröffentlichen wir selbst eine Liste mit allen erlaubten Mitteln oder arbeiten mit einem Kooperationspartner.“ Günter Osl ergänzt: „Wünschenswert wäre eine Auswahlmöglichkeit im Pflanzenschutzregister, die die neuen Regeln berücksichtigt.“

Viele Privatgärten

Im Gesetz ist von „anderen Personen als solche, die Pflanzenschutzmittel beruflich verwenden“ die Rede, es betrifft also Privatpersonen. Berufliche Anwender müssen nämlich schon jetzt einen Pflanzenschutzmittelausweis besitzen, womit sie eine gewisse Expertise im Gebrauch nachweisen können, was das Risiko minimiere, erläutert Osl. Außerdem sei die Fläche aller Privatgärten zusammen größer als jene aller Landwirtschaftsflächen. „Zudem besteht Vorarlbergs Landwirtschaft vor allem aus Grünland. Da spielen Pestizide kaum eine Rolle“, betont er.

Wünschenswert wäre eine Auswahlmöglichkeit im Pflanzenschutzregister.

Günter Osl, Leiter Abteilung Landwirtschaft

Kein Gesetz ohne Sanktionen: Vorgesehen ist im Pflanzenschutzgesetz schon jetzt, dass die Bezirkshauptmannschaft Strafverfahren eröffnen kann. Die Landesregierung rechnet laut den Gesetzeserläuterungen mit rund 30 Vor-Ort-Überprüfungen pro Jahr, die zu drei Strafverfahren führen.

Wer also Schnecken bekämpft, muss das bald mit Kalk oder Salz tun. Wer Mehltau oder Blattläuse loswerden möchte, kann es mit Milch probieren. Kurzum: Vorarlbergs Haus- und Kleingartenbesitzer werden zukünftig zu Biogärtnern.