Zerreißprobe droht: Straches langer Schatten

Politik / 25.08.2019 • 19:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
 Heinz-Christian Strache kann's nicht lassen: Er will zurück in die  Politik. Für Norbert Hofer (re.) ist er allerdings ein Problem.  apa
Heinz-Christian Strache kann’s nicht lassen: Er will zurück in die Politik. Für Norbert Hofer (re.) ist er allerdings ein Problem.  apa

Die FPÖ ist ihren Ex-Chef noch immer nicht los. Eine Zerreißprobe droht.

Johannes Huber

WIEN. Ende gut, alles gut für den freiheitlichen Spitzenkandidat Norbert Hofer (48)? Das muss sich erst weisen. Zuletzt hat sich zumindest einiges nach seinem Geschmack entwickelt. Berichten, es gebe Differenzen zwischen ihm und der Nummer 2 der Partei, Ex-Innenminister Herbert Kickl (50), trat er selbst entgegen: „Zwischen uns passt kein Blatt Papier.“ Gerüchte, es könnte zu einer Spaltung kommen, wies wiederum der mächtige Landesvorsitzende aus Oberösterreich, Manfred Haimbuchner (41), zurück: „Ein Knittelfeld 2.0, 3.0 gibt es nicht.“

Vor allem aber gelang es Norbert Hofer und seinen Mitstreitern, Ex-Obmann Heinz-Christian Strache die Kontrolle über dessen Facebook-Seite zu entziehen. Laut Impressum hat sie zwar schon immer der Partei gehört, Strache konnte sie jedoch bis zuletzt dazu nützen, sich in eigener Sache an knapp 800.000 Fans zu wenden.

Das hat den Wahlkampf gestört: Der 50-Jährige, der nach Veröffentlichung des Ibiza-Videos als Vizekanzler und Parteichef im Mai zurückgetreten ist, ist tagein, tagaus damit beschäftigt, zu spekulieren, wer ihm diese verhängnisvolle Geschichte beschert hat. Dafür will er sich rächen. Parallel dazu liebäugelt er mit einer Rückkehr in die Politik; und zwar bei den Wiener Gemeinderatswahlen im kommenden Jahr. Abgesehen davon ist er offenbar auf der Suche nach einem Job. Von irgendetwas muss er vorerst ja leben. Seit seinem Rücktritt im Mai hat er eigenen Angaben zufolge kein Einkommen mehr. Am Freitag hieß es, er werde bei einer Immobilienfirma anheuern, die von einem ehemaligen FPÖ-Sekretär kontrolliert wird. Später teilte diese mit, Strache habe mit dem Hinweis abgesagt, dass er etwas anderes gefunden habe.

Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Anton Pelinka (77) ist denn auch gar nichts geklärt im Sinne Hofers. Im Gespräch mit den VN geht Pelinka sogar so weit, zu sagen, dass es „die freiheitliche Partei möglicherweise zerreißt“. Vor der Nationalratswahl in fünf Wochen wird das allerdings kaum der Fall sein. Auch den Parteitag am 14. September, auf dem Hofer offiziell zum neuen Bundesobmann gewählt wird, wird er folglich überstehen können. Der Punkt ist vielmehr, was nach der Wahl passiert.

„Norbert Hofer will möglichst pflegeleicht für die Sebastian Kurz-ÖVP sein und die Koalition fortsetzen“, so der Experte. In diesem Zusammenhang gibt es aber schon ein Problem mit Kickl: Bei der neuen Volkspartei hätte man mit dem ehemaligen Innenminister am liebsten gar nichts mehr zu tun. Doch das beeindruckt den Kärntner nur insofern, als er mit verschärften Provokationen darauf antwortet.

Vor allem aber ist laut Pelinka der Faktor Strache zu beachten: Der Mann ist schwer loszuwerden. Die Versuche, ihn zu besänftigen, sind zahlreich. Beispiel: Ehefrau Philippa Strache (32) hat den dritten Platz auf der Wiener Landesliste bekommen. Damit wird sie so gut wie sicher Nationalratsabgeordnete. Strache selbst hat in der Landeszentrale einen Schreibtisch. Kaufen ließ er sich damit jedoch nicht: Er spricht weiter von einem möglichen Comeback.

Und das ist laut Pelinka eine gefährliche Drohung: „Mit ihm ist keine Koalition zu machen, er wäre ein Störfaktor.“ Zumindest theoretisch naheliegend wäre unter diesen Umständen ein Parteiausschluss. Hofer ist jedoch zurückhaltend und betont, dass man beachten müsse, was er für die Partei getan hat. In 14 Jahren hat er sie nicht nur in ihre gegenwärtige Krise, sondern auch von zehn auf 26 Prozent geführt. Gegen einen Ausschluss spricht vor allem aber, dass Strache nach wie vor sehr viele Anhänger hat. Ohne sichtbare Kampagne ist er so zum Beispiel bei der EU-Wahl auf ganze 44.751 Vorzugsstimmen gekommen.

er (41), zurück: „Ein Knittelfeld 2.0, 3.0 gibt es nicht.“

Vor allem aber gelang es Norbert Hofer und seinen Mitstreitern, Ex-Obmann Heinz-Christian Strache die Kontrolle über dessen Facebook-Seite zu entziehen. Laut Impressum hat sie zwar schon immer der Partei gehört, Strache konnte sie jedoch bis zuletzt dazu nutzen, sich in eigener Sache an knapp 800.000 Fans zu wenden.

Strache will Rache

Das hat den Wahlkampf gestört: Der 50-Jährige, der nach Veröffentlichung des Ibiza-Videos als Vizekanzler und Parteichef im Mai zurückgetreten ist, ist tagein, tagaus damit beschäftigt, zu spekulieren, wer ihm diese verhängnisvolle Geschichte beschert hat. Dafür will er sich rächen. Parallel dazu liebäugelt er mit einer Rückkehr in die Politik; und zwar bei den Wiener Gemeinderatswahlen im kommenden Jahr. Ob ihn der neue Job, den er in Aussicht hat, auf andere Gedanken bringen wird, ist fraglich: Im September heuert er bei einer Immobilienfirma an, die von einem ehemaligen FPÖ-Sekretär kontrolliert wird. Damit hat er Aussicht auf ein Einkommen. Ein solches hätte er jedoch in jedem Fall gebraucht, da er seit seinem Rücktritt im Mai nur noch von seinen Ersparnissen lebt.

Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Anton Pelinka (77) ist denn auch gar nichts geklärt im Sinne Hofers. Im Gespräch mit den VN geht Pelinka sogar so weit zu sagen, dass es „die freiheitliche Partei möglicherweise zerreißt“. Vor der Nationalratswahl in fünf Wochen wird das allerdings kaum der Fall sein. Auch den Parteitag am 14. September, auf dem Hofer offiziell zum neuen Bundesobmann gewählt wird, wird er folglich überstehen können. Der Punkt ist vielmehr, was nach der Wahl passiert.

Problem mit Kickl

„Norbert Hofer will möglichst pflegeleicht für die Sebastian Kurz-ÖVP sein und die Koalition fortsetzen“, so der Experte. In diesem Zusammenhang gibt es aber schon ein Problem mit Kickl: Bei der neuen Volkspartei hätte man mit dem ehemaligen Innenminister am liebsten gar nichts mehr zu tun. Doch das beeindruckt den Kärntner nur insofern, als er mit verschärften Provokationen darauf antwortet.

Vor allem aber ist laut Pelinka der Faktor Strache zu beachten: Der Mann ist schwer loszuwerden. Die Versuche, ihn zu besänftigen, sind zahlreich. Beispiel: Ehefrau Philippa Strache (32) hat den dritten Platz auf der Wiener Landesliste bekommen. Damit wird sie so gut wie sicher Nationalratsabgeordnete. Strache selbst hat in der Landeszentrale ein Arbeitszimmer. Kaufen ließ er sich damit jedoch nicht: Er spricht weiter von einem möglichen Comeback. Und das ist laut Pelinka eine gefährliche Drohung: „Mit ihm ist keine Koalition zu machen.“ Zumindest theoretisch naheliegend wäre unter diesen Umständen ein Parteiausschluss.

Hofer ist jedoch zurückhaltend und betont, dass man beachten müsse, was er für die Partei getan hat. In 14 Jahren hat er sie nicht nur in ihre gegenwärtige Krise, sondern auch von zehn auf 26 Prozent geführt. Gegen einen Ausschluss spricht vor allem aber, dass Strache nach wie vor sehr viele Anhänger hat. Ohne sichtbare Kampagne ist er so zum Beispiel bei der EU-Wahl auf ganze 44.751 Vorzugsstimmen gekommen.