Erdogan bekommt syrische Sicherungszone

Politik / 26.08.2019 • 11:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
 Bomben der syrischen Armee zerstörten unter anderem eine Moschee in der Idlibregion. afp
Bomben der syrischen Armee zerstörten unter anderem eine Moschee in der Idlibregion. afp

Israel führt Präventivschläge bei Damaskus und Beirut durch.

Heinz Gstrein

DAMASKUS Auf Syriens Norden fallen die Schatten dröhnender Kampfhubschrauber. Am Boden gehen die Freischaren der „Demokratischen Kräfte“ (SDF) aus Kurden und aramäischen Christen für alle Fälle in Deckung. Auch wenn sie wissen, dass in den Cockpits neben türkischen Feinden auch Amerikaner sitzen. In ihrem Auftrag hatten die kurdischen YPG-„Heimatwehren“ den größten Blutzoll beim Niederringen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) erbracht.

Die Türkei drohte schon seit Monaten mit einer Invasion nach Nordsyrien östlich vom Euphrat. Notfalls auch ohne Abstimmung mit ihren NATO-Partnern. Machthaber Recep Tayyip Erdogan ließ keine Zweifel daran, die von ihm angestrebte Endlösung der Kurdenfrage auch im Alleingang zu vollziehen. Wie er auf türkischem Boden einen frisch gewählten kurdischen Bürgermeister nach dem andern einfach absetzt, möchte er das ganze syrische Kurdistan in eine „Sicherheitszone“ mit Grabesruhe verwandeln.

Kontakte mit den Türken

Die USA haben ihn dabei zu bremsen versucht. Ein offener Konflikt mit der Türkei auf syrischem Boden hätte nur den Russen und ihrem Schützling in Damaskus, Präsident Baschar al-Assad, in die Hände gespielt. So einigte man sich schließlich auf diese gemeinsame Helikopterüberwachung der Grenzregion.

Die syrischen Kurden zweifeln aber daran, dass es nur dabei bleibt. SDF-Kommandant Mazlum Kobani hat am Wochenende direkte Kontakte und sogar „Einigungen“ mit den Türken zugegeben. Dass Kurden mit diesen auch auskommen können, beweist  schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert des recht gute Verhältnis von Ankara zum autonomen kurdischen Staatswesen im Nordostirak. So richten sich jetzt auch die syrischen Kurden realistisch nach dem ihnen nur zu wohl bekannten Gegner Türkei aus, statt weiter einem wankelmütigen Donald Trump zu vertrauen.

Erste Zusammenstöße

In der letzten sunnitischen Rebellenfestung Idlib ist es inzwischen zu ersten Zusammenstößen von Assad-Truppen mit den dortigen türkischen „Kontrollposten“ gekommen. Die Russen sollen ihre syrischen Satelliten aber sofort zurückgepfiffen haben. Auffällig ist auch, dass die in Syrien stehenden iranischen Revolutionsgarden samt dem Schiiten-Hisbollah aus Libanon nicht mehr an den letzten Operationen von Damaskus teilnehmen. Sie stehen Gewehr bei Fuß. Israel schätzt das als Wendung zu einem Angriff auf seine eigene Sicherheit ein.

Angesichts der westlichen Uneinigkeit Iran gegenüber auf dem G7-Gipfel von Biarritz haben die Israelis am Wochenende die Abwendung dieser Gefahr in die eigene Hand genommen und aus der Luft den Hisbollah bei Beirut und die iranische Jerusalem/Al-Quds-Brigade in Akraba nahe Damaskus angegriffen.