Kaum noch Unentschlossene

Politik / 09.09.2019 • 20:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Großteil der Wähler hat sich festgelegt: Ist nur das Rennen zwischen SPÖ und FPÖ offen?

WIEN Die ÖVP liegt mit 36 Prozent weit vorne, SPÖ und FPÖ folgen gleichauf mit jeweils 20 Prozent vor den Grünen (zwölf Prozent) und den Neos (neun Prozent). Die Liste Jetzt von Peter Pilz hält ein Prozent: Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die Peter Hajek vom Meinungsforschungsinstitut Unique Research für das Nachrichtenmagazin „profil“ durchgeführt hat. Wobei zwei Dinge bemerkenswert sind: Die Werte sind schon länger mehr oder weniger unverändert. Und wirklich unentschlossen sind laut Hajek gerade einmal zehn Prozent. Ist die Nationalratswahl am 29. September abgesehen von Platz zwei (SPÖ oder FPÖ) also schon gelaufen?

„Wir gehen davon aus, dass es in den großen Linien so bleibt“, antwortet Hajek im Gespräch mit den VN und fügt sicherheitshalber ein unüberhörbares „Aber“ hinzu: „Außer es passiert wieder etwas wie eine Woche vor der Europawahl mit dem Ibiza-Video. Dann kann sich etwas tun.“

Die Auswirkungen diese Videos wirken überraschend: Die schwarz-blaue Koalition stolperte darüber, Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache musste zurücktreten. Seine Partei stürzt jedoch nicht ab und die ÖVP ist sogar dabei, zuzulegen: „Eine Erklärung dafür ist die große Zufriedenheit mit der inhaltlichen Arbeit, die die beiden ehemaligen Regierungsparteien geleistet haben“, analysiert der Politikwissenschaftler Fritz Plasser. Durch „Ibiza“ habe sich nichts daran geändert. Die einzige Konsequenz ist vorerst, dass Wähler von der FPÖ zur ÖVP wechseln. Viel mehr ist da nicht. Das macht den Oppositionsparteien zu schaffen. Vor allem die Sozialdemokraten hätten es nicht zusammengebracht, eine Wendestimmung zu erzeugen, so Plasser.

Schon bei der EU-Wahl hatte die FPÖ weniger stark verloren als erwartet. Ihr Stimmenanteil ging um zweieinhalb Prozentpunkte auf etwas mehr als 17 Prozent zurück. Daran zeige sich, dass sie sich in den vergangenen Jahren gefestigt und als Mittelpartei etabliert habe, meint Hajek. Außerdem verfüge sie mit Norbert Hofer über einen Strache-Nachfolger, der noch mehr Potenzial habe als dieser: „Hofer funktioniert in der eigenen Wählerschaft und darüber hinaus.“ Gezeigt hat er das ja schon bei der Bundespräsidenten-Stichwahl vor drei Jahren, als er rund zwei Millionen Stimmen erreichte. Könnte der Kanzler direkt gewählt werden, müsste er sich heute zwar ganz klar Sebastian Kurz geschlagen geben; er würde laut Hajek aber besser abschneiden als SPÖ-Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner.

Holpriger Weg für SPÖ

Der SPÖ hat „Ibiza“ ganz offensichtlich nichts gebracht. Im Gegenteil, ihr Misstrauensvotum gegen die Übergangsregierung von Kurz ließ viele Leute empört oder irritiert zurück. Und davon, der FPÖ Wähler abzunehmen, ist sie überhaupt weit entfernt, wie Hajek erläutert: Das werde ihr erst gelingen, wenn sie zu Migrationsfragen die Position einnehme, die die erfolgreichen dänischen Sozialdemokraten oder der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil bezogen hätten. „Wirtschafts- und sozialpolitisch links, in der Migrationspolitik konsequent.“

Die Grünen sammeln indes Wähler ein, die sie 2017 an SPÖ und Liste Pilz verloren haben. Zugute komme ihnen dabei, dass das Thema Klimaschutz allgegenwärtig sei, so Hajek: „Die Neos haben Beate Meinl-Reisinger, das sind die Anker der Kleinparteien, das schaut relativ gefestigt aus.“ JOH

„Norbert Hofer funktioniert in der eigenen Wählerschaft und darüber hinaus.“

Wahlergebnis 2017

ÖVP 31,5 Prozent

SPÖ 26,9 Prozent

FPÖ 26 Prozent

Grüne 3,8 Prozent

Neos 5,3 Prozent

Jetzt/Liste Pilz 4,4 Prozent