Wie Wähler in Vorarlberg altern

Politik / 09.09.2019 • 12:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Gesellschaft altert und damit auch die Wählerschaft. SYMBOLBILD/APA

Seit 2009 ist der Anteil ab 60-Jähriger in Vorarlberg von 26 auf 30 Prozent gestiegen.

Johannes Huber

SCHWARZACH Die Gesellschaft altert und damit auch die Wählerschaft. Das bleibt nicht ohne Folgen, wie Wissenschaftler behaupten. So werde die Themensetzung der Parteien „grauer“. Behutsamkeit bei Pensionen habe vor allem für ÖVP und SPÖ Priorität, so der Politologe Fritz Plasser im Gespräch mit den VN.

Wahlberechtigt sind österreichische Staatsbürger ab 16. In Vorarlberg sind das 270.000 Männer und Frauen. Sie sind in den nächsten Wochen gleich zweimal aufgerufen, zur Urne zu schreiten: Am 29. September bei der Nationalratswahl und am 13. Oktober bei der Landtagswahl.

Anteil der Älteren steigt

Die Zahl der Wahlberechtigten ist in den letzten zehn Jahren kaum gestiegen. Stärker verändert hat sich ihre Zusammensetzung nach Alter, wie eine Auswertung auf Basis der Daten zu österreichischen Staatsbürgern zeigt, die die Statistik Austria führt: Der Anteil der 16- bis 29-Jährigen im Land ist seit 2009 von 22 auf 20 Prozent gesunken, der der 30- bis 59-Jährigen von 52 auf 50 Prozent zurückgegangen. Von 26 Prozent auf 30 Prozent gestiegen ist dagegen der Anteil der ab 60-Jährigen. Österreichweit beträgt er 33 Prozent. Tendenz weiter steigend. Die Veränderungen sind für Parteien relevant: So sehr alle Menschen voneinander abhängig bzw. aufeinander angewiesen sind, so unterschiedlich sind ihre Probleme und ihre Zugänge. Bei der Landtagswahl 2014 kam die FPÖ bei den unter 30-Jährigen laut Sozialforschungsinstitut SORA auf ganze 37 Prozent. Insgesamt musste sie sich mit 23 Prozent begnügen. Auch Grüne und Neos waren bei den Jüngeren verhältnismäßig stark mit 25 und 15 Prozent. Ganz anders jedoch die ÖVP (13 Prozent), aber auch die SPÖ (sieben Prozent). Vor allem die Volkspartei war dafür bei den ab 60-Jährigen außerordentlich erfolgreich; in dieser Gruppe schaffte sie mit 60 Prozent um fast die Hälfte mehr als insgesamt (42 Prozent).

So ähnlich ist das bei allen Wahlen. Bei der EU-Wahl Ende Mai holten die Grünen bei den Jüngeren 28 Prozent und damit Platz eins. Bei den Älteren lag dagegen die ÖVP mit 48 Prozent vorne. Und auch die SPÖ schnitt hier mit 26 Prozent verhältnismäßig gut ab.

Der ehemalige Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hat schon vor vielen Jahren in einem Aufsatz, den er damals als Wissenschaftler mit einem Kollegen verfasst hat, festgestellt, dass sich die Alterung auch auf die Themensetzung der Parteien auswirke. In den 1970ern, als die Angehörigen der „Babyboomer“-Generation erstmals wählten durften, seien Themen forciert worden, die sie besonders tangierten: Verkürzung des Wehrdienstes, Öffnung des Unis etc. Heute geht es eher um Pflege und Pensionen. Was naheliegend ist: Das sind Probleme sehr vieler geworden.

Der Politologe Fritz Plasser sieht bei den Älteren „die letzten tatsächlichen Stammwähler“, die SPÖ und ÖVP noch haben: „Und das führt natürlich auch zu einer gewissen Rücksichtnahme. Was diese Wähler irritieren könnte, wird eher unterlassen oder gar nicht erst diskutiert.“ Umgekehrt sei dies bei Neos und Grünen. Kein Wunder: Von ab 60-Jährigen kommt nur ein Bruchteil ihrer Stimmen.