Kleinere Klassengrößen, weniger Stunden

Politik / 10.09.2019 • 20:19 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die jährlichen Gehaltskosten der Lehrer pro Schüler sind in Österreich deutlich höher als im OECD-Schnitt.APA
Die jährlichen Gehaltskosten der Lehrer pro Schüler sind in Österreich deutlich höher als im OECD-Schnitt.APA

OECD-Bericht ortet in Österreich deutlich höhere Lehrergehaltskosten pro Schüler.

Wien Die Klassen sind in Österreich kleiner, die Lehrer bekommen mehr Geld, die Unterrichtszeit ist geringer. Und das hat Folgen, wie eine Studie der OECD ergibt, die das österreichische Bildungssystem mit den Systemen der anderen OECD-Länder vergleicht. Demnach befindet sich die Republik bei den Gehaltskosten der Lehrer im Spitzenfeld, wenn sie auf die einzelnen Schüler umgerechnet werden. In kaum einem anderen Land sind sie so hoch. Das gilt sowohl kaufkraftbereinigt in US-Dollar als auch als Prozentsatz des BIP. 

Berechnet werden die jährlichen Gehaltskosten anhand der durchschnittlichen Unterrichtszeiten, der Gehälter sowie der Klassengröße. Im Volksschulbereich ergeben sie durchschnittlich 4525 Dollar pro Schüler, der OECD-Schnitt liegt bei etwa der Hälfte. Höhere Kosten als Österreich weisen nur Deutschland und die Schweiz auf. Ähnlich ist die Situation an der AHS-Unterstufe und den Mittelschulen mit 6299 Dollar in Österreich und 3380 Dollar im OECD-Schnitt. In der AHS-Oberstufe liegt Österreich an der Spitze des Rankings. 

Mitverantwortlich sind die kleineren Klassen. 2017 saßen in Österreich im Durchschnitt 18 Kinder in einer Volksschulklasse (OECD: 21). Nur in Lettland, Litauen und Luxemburg waren es weniger. In der AHS-Unterstufe und der Mittelschule war eine Klasse im Schnitt 21 Schüler groß (OECD: 23). Seit 2005 haben die Klassengrößen in Österreich abgenommen.

Ebenso stellt die OECD in Österreich eine geringere Unterrichtszeit fest, als in anderen Ländern. Bei Volksschullehrern beträgt sie 779 Stunden pro Jahr (OECD: 783), an der AHS-Unterstufe und an Mittelschulen 607 Stunden (OECD: 709), an der Oberstufe 589 (OECD: 667). Die österreichischen Schüler verbringen hingegen nur geringfügig weniger Zeit im Unterricht, als ihre Kollegen in den anderen Ländern: in der Volksschule 705 Stunden pro Jahr (OECD: 799), in der AHS-Unterstufe und Mittelschule 900 Stunden (OECD: 919),

Das vergleichsweise höhere Alter der Lehrer ist auch ein Kostenfaktor. Im Volksschulbereich sind 38 Prozent aller Pädagogen 50 Jahre oder älter, in der OECD sind es 33 Prozent. In der AHS-Unterstufe und Mittelschule sind 48 Prozent der Lehrer mindestens 50 (OECD: 37 Prozent). An den Oberstufen liegt der Wert bei 45 Prozent (OECD: 36).

Insgesamt sind die Lehrergehälter in Österreich laut OECD zu jedem Zeitpunkt der Karriere und in allen Schultypen höher.

Ministerin zufrieden

Die Statistik zeigt aber auch, dass der Anteil Jugendlicher und junger Erwachsenen, die weder beschäftigt noch in Ausbildung sind, mit elf Prozent geringer ist als in den anderen Staaten. Bildungsministerin Iris Rauskala ist zufrieden: „Der OECD-Bericht stellt dem Bildungssystem ein gutes Zeugnis aus.“ Er zeige außerdem, dass ein höherer Abschluss das Risiko verringere, arbeitslos zu sein. VN-ebi

Stichwort

Bildung in den Wahlprogrammen

Unter den Parteien besteht eine Einigkeit: Schulen mit besonders großen Herausforderungen sollen mehr Geld bekommen. Bekannte Fronten zwischen bleiben aber weiterhin bestehen.

ÖVP Beibehaltung der Deutschförderklassen, Ausbau von Ganztagsschulen, regelmäßige „Talente-Checks“ für eine treffsichere Wahl des Bildungs- und Ausbildungswegs. 

SPÖ Anspruch auf Kindergartenplatz für alle Kinder ab einem Jahr, Einführung eines zweiten kostenlosen Pflicht-Kindergartenjahr, ab 2025 eine für alle eine Ganztagsschule mit kostenlosem Mittagessen und Freizeitangebot im Umkreis von 20 Kilometern, Forderung nach einer Gesamtschule für Zehn- bis 14-Jährige, 5000 zusätzlichen Lehrern und mehr Unterstützungspersonal.

FPÖ Gegen die Einführung einer Gesamtschule, stattdessen für Schulen für besonders Begabte, Beibehaltung von separaten Deutschförderklassen, Sonderschulen sowie Leistungsgruppen in Mittelschulen, Einführung einer Fortbildungspflicht für Lehrer außerhalb der Unterrichtszeit.

NEOS Forderung nach einheitlicher Qualität in Krippe und Kindergarten samt besserer Ausbildung der Pädagoginnen, pädagogische Autonomie für Schulen, Einführung der „Mittleren Reife“ mit 15 Jahren, mehr Autonomie für Direktoren bei Personal und  Budget.  

Die Grünen Ruf nach mehr leistbaren Plätze in Krippen und Kindergärten, einem zweiten Pflicht-Kindergartenjahr, einer Uni-Ausbildung für Pädagogen und bessere Bezahlung, Forderung einer Gesamtschule für Sechs- bis 14-Jährige und mehr Unterstützungspersonal für Lehrer.

Liste Jetzt Flächendeckendes Angebot von Ganztagsschulen gewünscht,  ebenso eine gemeinsame Schule der Fünf- bis 15-Jährigen mit einer Mittleren Reife, mehr Geld fürs Deutschlernen und ein Verbot religiöser Symbole in öffentlich geförderten Schulen.