OECD-Studie: Lehrergewerkschaft warnt vor „halber Wahrheit“

Politik / 12.09.2019 • 07:30 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Die OECD stellt fest, dass die Lehrer in Österreich weniger Stunden unterrichten, allerdings ist ihre Jahresarbeitszeit höher. APA

„Von so kleinen Klassen sind wir weit entfernt“, sagt Gewerkschafter Unterkofler.

Birgit Entner-Gerhold

Wien Kleinere Klassen, weniger Unterricht, mehr Gehalt. Dieses Bild, das sich für Österreichs Lehrer aus der OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ ergebe, sei nur die halbe Wahrheit, sagt der Vorarlberger Pflichtschullehrergewerkschafter Gerhard Unterkofler: „Manche Aussagen müssen zurechtgerückt werden.“

Punkt eins: Laut OECD saßen in Österreich durchschnittlich weniger Schüler in einer Klasse als in den anderen Ländern; 18 in der Volksschule (OECD: 21) und 21 in der Unterstufe (OECD: 23). „In Ballungszentren ist man von so kleinen Klassen meist weit entfernt“, sagt Unterkofler. Die Zahl komme nur aufgrund der vielen Kleinschulen zustande.

Punkt zwei: Die OECD stellt fest, dass die Lehrer in Österreich weniger Stunden unterrichten als ihre Kollegen im Ausland, 779 Stunden in der Volksschule (OECD: 783) und 607 in der Unterstufe (OECD: 709). Unterkofler gibt  zu bedenken, dass die Arbeitszeit der Lehrer aber nicht nur aus Unterricht bestehe. „Vergleicht man die Gesamtarbeitszeit mit den anderen Ländern, dann kommt auch die OECD-Studie zum Schluss, dass Österreich mit 1776 Jahresstunden weit über dem EU-Durchschnitt von 1593 Arbeitsstunden liegt.“ Im OECD-Schnitt liegt die Jahresarbeitszeit bei etwas mehr als 1600 Stunden.

Punkt drei: Österreichische Lehrer verdienen mehr. Im Vergleich zu anderen Hochschulabsolventen stehen sie laut Unterkofler aber schlechter da. Das zeigt auch die OECD-Studie. Unterrichten sie im Pflichtschulbereich, verdienen sie zwischen 74 und 87 Prozent dessen, was andere Hochschulabsolventen bekommen. Im OECD-Raum liegt der Wert bei 84 bis 88 Prozent. Außerdem hält der Lehrergewerkschafter fest: „Wir haben einen Lehrermangel, das Gehalt muss attraktiv sein.“ Unterkofler fordert außerdem mehr Unterstützungspersonal, ein Zweilehrersystem für Kleingruppen in Volksschulen und mehr Ganztagsbetreuung.