„Ich sterbe am Klimawandel“

Politik / 20.09.2019 • 22:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In Kabul haben sich junge Frauen zum Fridays-for-Future-Protest formiert.AP
In Kabul haben sich junge Frauen zum Fridays-for-Future-Protest formiert.AP

Globaler Aufschrei gegen die Klimakrise. Hunderttausende Demonstranten gingen am Freitag weltweit auf die Straße. Die Politik gerät zunehmend unter Druck.

Wien Es ist ein weltweiter Weckruf: Rund um den Globus haben am Freitag mehrere Hunderttausend Menschen für den Klimaschutz demonstriert. Einem Aufruf der Jugendbewegung Fridays-for-Future folgten Demonstranten von Indien und Afghanistan über Athen und Polen bis Südafrika und die USA. Allein in Australien gingen rund 300.000 Menschen für den Klimaschutz auf die Straße. Zum Auftakt der internationalen Klimaschutzwoche haben sich auch in Österreich rund 720 Gemeinden mit Aktionen beteiligt. Laut Mitorganisator Johannes Stangl handelte es sich um die „größte dezentrale Klimaaktion, die es jemals gegeben hat“. Die Demonstranten wollen Druck auf die Regierungen der Welt ausüben, deren Delegationen am Montag zum Weltklimagipfel in New York zusammenkommen.

Im Vorfeld der UN-Konferenz hat EU-Parlamentspräsident David Sassoli mehr Entschlossenheit gefordert. Der Klimagipfel müsse zu einem Wendepunkt werden: „Wir können nicht tatenlos zusehen, wie täglich Hunderte Arten sterben, Gletscher schmelzen und Naturkatastrophen Tausende Menschenleben kosten.“ Laut wissenschaftlichen Ergebnissen blieben weniger als zehn Jahre, bevor der Klimawandel unumkehrbar wird.

„Unsere Generation ist die erste, die die Auswirkung der Klimaziele direkt zu spüren bekommt und die letzte, die sie bekämpfen kann“, hält auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen in seinem Appell für mehr Entschlossenheit im Kampf gegen den Klimawandel fest. Mittlerweile unterstützen 32 Staats- und Regierungschefs aus vier Kontinenten seine Initiative. Van der Bellen warnt, dass die Klimakrise zu einer Klimakatstrophe werden könnte. Die derzeit geplanten Maßnahmen der internationalen Staatengemeinschaft seien zu wenig. Am Mittwoch werden die Abgeordneten von ÖVP, SPÖ, Neos und Jetzt im Nationalrat per unverbindlichem Entschließungsantrag den Klimanotstand ausrufen. Am gleichen Tag wird der Weltklimarat in Monaco seinen Bericht zu den Auswirkungen der menschengemachten Treibhausgase auf Ozeane und Eismassen präsentieren. Mit der zunehmenden Eisschmelze drohe nicht nur der Anstieg der Meeresspiegel, es schwinden mit den Gletschern auch wichtige Wasserspeicher für Mensch und Natur.

Weltweit ist die Durchschnittstemperatur bereits um ein Grad gestiegen. Die vergangenen vier Jahre sind die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen. Extreme wie Hitzewellen, Dürren, Waldbrände und Starkregen häufen sich. Junge Demonstranten in London richten sich daher mit klaren Worten an die Politik: „Du stirbst an Altersschwäche, ich am Klimawandel“, skandieren sie auf Plakaten.  In Helsinki hielt ein als Weihnachtsmann verkleideter Mann ein Pappschild mit der Aufschrift hoch: „Mein Haus brennt, meine Rentiere können nicht schwimmen.“ In Pakistan wehrten sich Demonstranten gegen die Luftverschmutzung: „Rettet unsere Bäume. Bitte!“

Die weltweiten Proteste sind Teil der von Greta Thunberg inspirierten „Week for Future“, an der sich Aktivisten in über 100 Ländern beteiligen. In Österreich werden die größten Demonstrationen  am 27. September stattfinden. Bildungsministerin Iris Rauskala hat dazu klargestellt, dass Schüler auch während der Schulzeit daran teilnehmen dürfen, allerdings nur im Rahmen von Schulveranstaltungen. Die Entscheidung über eine Teilnahme treffe jede Schule selbst – beteiligt sie sich, haben die Lehrer Aufsichtspflicht. So herrsche Rechtssicherheit.

Die Welt brennt, protestiert ein Jugendlicher in München. AFP
Die Welt brennt, protestiert ein Jugendlicher in München. AFP
Die Illustraion auf Basis der Daten von Berkley Earth verdeutlicht, wie sich die jährliche Durchschnittstemperatur von 1901 bis 2018 verändert hat.Berkley Earth
Die Illustraion auf Basis der Daten von Berkley Earth verdeutlicht, wie sich die jährliche Durchschnittstemperatur von 1901 bis 2018 verändert hat.Berkley Earth