Hinter uns liegen die heißesten fünf Jahre

Politik / 22.09.2019 • 22:06 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Klima-Aktivistin Greta Thunberg beim Jugendgipfel in New York. Reuters
Klima-Aktivistin Greta Thunberg beim Jugendgipfel in New York. Reuters

Klimaforscher fordern mindestens dreifache Anstrengung zur Treibhausgasreduktion. UN-Klimagipfel sucht heute nach Maßnahmen gegen die Erderwärmung.

Bregenz, New York Die Vorarlberger Fridays-for-Future-Bewegung agiert aus Frust, wie ihr Koordinator Aaron Wölfling sagt, als er sich gemeinsam mit weiteren Aktivistinnen und Aktivisten vor dem Landhaus in Bregenz niedergelassen hat. „Nach wie vor werden wir von Politikern nicht gehört“, kritisiert er. Ein 24 Stunden langer Sitzstreik für mehr Klimaschutz sollte den Forderungen der Jugendlichen am Wochenende Nachdruck verleihen. Am Samstag um fünf vor zwölf starteten sie ihre Aktion, am Sonntag um kurz vor Mittag endete sie wieder: „Denn es ist fünf vor zwölf, was den Klimaschutz betrifft“, sagt Wölfling.

Weltweit formieren sich derzeit Aktivisten, um verstärkte Anstrengungen gegen die Erderwärmung zu fordern. Am Freitag gingen rund vier Millionen Menschen auf die Straße. Die größten Demonstrationen gab es in Australien, Berlin, London, New York und San Francisco. Am Samstag haben sich in New York Hunderte junge Menschen zum ersten UNO-Jugendgipfel für Klimaschutz versammelt. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres lobte ihr Engagement. Sie hätten einen Moment des Wandels herbeigeführt.

Guterres hat sich dem Klimawandel verschrieben und daher für heute, Montag, im Hauptquartier der UNO einen Klimagipfel angesetzt, an dem auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Umweltministerin Maria Patek teilnehmen. Dabei sollen Strategien diskutiert werden, wie die Treibhausgase bis Mitte des Jahrhunderts global auf „Netto-Null“ reduziert werden können. Mit dem Staatsoberhaupt und der Ressortchefin ist auch die in der Fridays-for-Future-Bewegung aktive Salzburger Schülerin Anika Dafert angereist, die erklärt, dass Politiker eigentlich selbst Aktivisten sein sollten. „Sie müssen endlich aktiv werden.“

Das sagt auch der Vorarlberger Aaron Wölfling: „Es ist zwar viel Symbolpolitisches passiert, aber konkrete Maßnahmen fehlen“, erklärt er. Die Fridays-for-Future-Bewegung fordert globale Klimagerechtigkeit und die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, wie es im Pariser Klimaabkommen festgeschrieben ist.

Ohne weitere Maßnahmen ist das nicht möglich, hält Petteri Taalas, Generaldirektor der Weltwetterorganisation (WMO) fest. Um den Anstieg der Durchschnittstemperatur bis 2100 unter zwei Grad zu halten, müssten die Anstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgase verdreifacht werden, sagt er. Um die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, sei eine Verfünffachung nötig. Das Zwei-Grad-Ziel halten Wissenschafter für das Mindeste, um eine gefährliche Störung des Weltklimas abzuwenden. 

„Alle Signale und Folgen des Klimawandels sind stärker geworden“, berichtet die WMO. Es sei dringend nötig, jetzt ehrgeizige Klimaziele zu setzen. „Der Anstieg des Meeresspiegels beschleunigt sich, und wir fürchten, dass ein abrupter Rückgang des Eises in der Antarktis und in Grönland die Entwicklung noch verschärft“, hält Taalas fest. Er verweist außerdem auf eine Versauerung der Meere sowie die klimatischen Ursachen für extreme Hitzewellen, Waldbrände und Überschwemmungen.

Die Jahre 2015 bis 2019 sind nach vorläufigen Berechnungen der WMO die heißeste Fünfjahresperiode seit Beginn der Messungen vor rund 150 Jahren gewesen. Die durchschnittliche Temperatur weltweit habe in diesem Zeitraum um 1,1 Grad über jener der vorindustriellen Zeit gelegen.

Die jungen Klimaaktivisten in Vorarlberg fordern angesichts des Klimawandels auch Projekte wie die Verbindungsstraße S 18 zu überdenken: „Das fördert nur den Individualverkehr. Das Geld wäre im Sinne des Klimaschutzes besser in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs investiert“, sagt Wölfling. Die 24-Stunden-Aktion sei übrigens bewusst aufs Wochenende gelegt worden, um zu zeigen, dass es nicht um Schulschwänzen gehe. In den kommenden Tagen sind in ganz Vorarlberg weitere Aktionen geplant. Höhepunkt ist der Klima-Streik am Freitag, 27. September, 11 Uhr, beim Bregenzer Bahnhof. VN-mih, ebi

Auch in der Schweiz wurde protestiert: Trauermarsch für den Pizol-Gletscher. AP
Auch in der Schweiz wurde protestiert: Trauermarsch für den Pizol-Gletscher. AP
Jugendliche der Fridays-for-Future-Bewegung in Vorarlberg waren von Samstag bis Sonntag zu einem 24-Stunden-Sitzstreik vor dem Landhaus in Bregenz zusammengekommen. Unterstützung erhielten sie von Russ-Preis-Trägerin Hildegard Breiner (l.). VN/Steurer

Jugendliche der Fridays-for-Future-Bewegung in Vorarlberg waren von Samstag bis Sonntag zu einem 24-Stunden-Sitzstreik vor dem Landhaus in Bregenz zusammengekommen. Unterstützung erhielten sie von Russ-Preis-Trägerin Hildegard Breiner (l.). VN/Steurer

VN-Leser am Wort Klimaschutz

Wir in Österreich haben die größten Akkus die es gibt, nämlich unsere Stauseen mit Pumpkraftwerken. Wenn man jetzt den Lünersee, den Kops-Stausee und viele andere Seen anschaut, sind sie nur zur Hälfte gefüllt, obwohl es Ende Sommer ist. Überschuss aus den Photovoltaikanlagen kann in Form von Wasser in den Stauseen gespeichert beziehungsweise hochgepumpt werden. Dieser natürliche Akku benötigt keinerlei Ressourcen wie die derzeit herkömmlichen Akkus. Wenn österreichische Kraftwerke Subventionen bekämen und sie den Strom der PV-Betreiber kostengünstig speichern, sodass im Sommer erzeugter Strom im Winter oder tagsüber gespeicherter Strom dann nachts bezogen werden kann, würde ich sofort meine PV-Anlage auch ohne Subvention vergrößern. Dann könnte ich den Strom für meine Wärmepumpe, den ich im Winter benötige, selbst im Sommer erzeugen und in den Stauseen zwischenspeichern. Das ist eine ökologische Lösung. Natürlich für eine kleine Netz-Gebühr. Arnold Adlassnigg