Emotionaler Appell für mehr Klimaschutz

Politik / 23.09.2019 • 22:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Aktivistin Greta Thunberg richtete beim Klimagipfel in New York emotionale Worte an die Staats- und Regierungschefs. AFP
Die Aktivistin Greta Thunberg richtete beim Klimagipfel in New York emotionale Worte an die Staats- und Regierungschefs. AFP

Klimaaktivistin Thunberg fordert Politiker zum Handeln auf.

new york In einer hoch emotionalen Wutrede beim Klimagipfel in New York hat die Aktivistin Greta Thunberg den Staats- und Regierungschefs mangelnde Handlungsbereitschaft vorgeworfen. „Wie konntet ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit euren leeren Worten?“, fragte die 16-jährige Schwedin am Montag in ihrer Rede mit Tränen in den Augen. „Wie könnt ihr nur weiter wegschauen?“

Trump überraschend im Publikum

Im Publikum saßen auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen, die deutsche Kanzler Angela Merkel, der französische Präsident Emmanuel Macron und zahlreiche weitere Staats- und Regierungschefs. Überraschend nahm auch US-Präsident Donald Trump teil. Er kam aber zu spät und verpasste Thunbergs Rede. Trump gilt als mächtigster Bremser beim Kampf gegen den Klimawandel. Nach seinem Amtsantritt hatte er den Ausstieg aus dem Pariser UN-Klimaabkommen verkündet – und das als Staatschef des Landes mit dem zweithöchsten Ausstoß von klimaschädlichen Gasen.

Thunberg warf den Politikern vor, sie seien immer noch nicht reif genug zu sagen, wie ernst die Lage sei. „Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens, und alles, worüber ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum – wie könnt ihr es wagen?“ Thunberg ist die Initiatorin der Jugendbewegung „Fridays for Future“, die vergangene Woche weltweit Millionen Menschen zu einem Klimastreik auf die Straße gebracht hat.

Zur Klimaneutralität verpflichtet

Auch UN-Generalsekretär António Guterres rief zum Kampf gegen die schnell voranschreitende Erderwärmung auf. „Wenn wir nicht dringend unseren Lebensstil ändern, setzen wir das Leben selbst aufs Spiel“, sagte er. Das Rennen gegen den Klimawandel könne gewonnen werden. „Die Zeit ist knapp, aber es ist noch nicht zu spät.“ Schon vor dem Gipfel sagten die Teilnehmerstaaten konkrete Maßnahmen zu. 66 Länder, zehn Regionen, 102 Städte und 93 Konzerne verpflichteten sich zur Klimaneutralität bis 2050. „Das ist kein Klimagipfel der Reden. Wir haben genug geredet“, sagte Guterres. „Das ist kein Klima-Gipfel der Verhandlungen. Man verhandelt nicht mit der Natur. Das ist ein Klimagipfel der Taten.“ Nach seinen Angaben haben 59 Staaten zugesichert, ehrgeizigere Pläne für den Klimaschutz vorzulegen. Nach dem Pariser UN-Klimaabkommen von 2015 sollten das allerdings bis 2020 eigentlich alle Unterzeichner machen. Bisher sind es nur etwa ein Drittel. Guterres hat den Gipfel einberufen, um die Dringlichkeit des Kampfes gegen den Klimawandel zu verdeutlichen.

Die Welt hinkt den Zielen des Pariser Abkommens weit hinterher. Ziel ist es, die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, möglichst auf 1,5 Grad. Wenn man alles zusammennimmt, was die Staaten bisher zugesagt haben, steuert der Planet mit hoher Wahrscheinlichkeit auf rund drei Grad zu. Das hat katastrophale Folgen, die schon in vielen Weltregionen zu spüren sind.

„Wie konntet ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen?“