Straches Sicherheitsmann nach Hausdurchsuchung verhaftet

Politik / 24.09.2019 • 13:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
APA

In der Causa um Spesenabrechnungen von Ex-Parteichef Heinz-Christian Strache hat es in der Nacht auf Dienstag offenbar eine Verhaftung gegeben.

Wien Das berichteten „Presse“ und „Standard“. Demnach führte die Polizei eine Hausdurchsuchung bei Straches Ex-Leibwächter durch, kurz vor Mitternacht wurde dieser festgenommen. Er soll von den Abrechnungen gewusst und belastendes Material gesammelt haben.

Der ehemalige Sicherheitsmann von Heinz-Christian Strache war weiterhin für die FPÖ als Bezirksrat aktiv gewesen. Der Vorstand der Wiener FPÖ hat am Dienstag einstimmig den Parteiausschluss des ehemaligen Personenschützers beschlossen. Das gab die FPÖ Wien in einer Aussendung bekannt. Neben den strafrechtlichen Ermittlungen der Behörden werde die interne Sonderprüfung zu den anonym erhobenen Vorwürfen „selbstverständlich gründlichst“ fortgeführt, hieß es.

Der FPÖ-Bezirksrat war zuletzt noch in Erscheinung getreten, als er Harald Vilimsky, FPÖ-Delegationsleiter im Europaparlament, bei einer Reise nach Budapest begleitete. Der nun verhaftete Ex-Leibwächter von Strache könnte selbst bei falschen Spesenabrechnungen mitgewirkt haben, berichtete am Dienstag auch das Ö1-„Mittagsjournal“. Der gelernte Polizist soll „über Jahre hunderte Abrechnungsbelege gesammelt“ haben. Diese wurden bei der Hausdurchsuchung am gestrigen Montag wohl beschlagnahmt, berichtete das ORF-Radio unter Berufung auf Behördenkreise.

Eine anonyme Anzeige zu der Causa beruft sich dem Bericht zufolge auf Informationen, die vom Leibwächter stammen sollen. Rechnungen, die darin aufgelistet sind, sollen systematische Veruntreuung im Parteiapparat der Freiheitlichen belegen. Außerdem sind der Anzeige Fotos beigelegt, auf denen in einer Sporttasche sowohl Kleidung als auch eine größere Menge Bargeld zu sehen ist.

Angezeigt wurde laut „Mittagsjournal“ neben Strache auch die FPÖ. Es bestehe der Verdacht, dass sich Strache und andere Personen Privatausgaben durch die FPÖ bezahlen ließen, unter Missbrauch ihrer Befugnisse als Machthaber. Außerdem habe es laut Anzeige verbotene Zuwendungen von Dritten gegeben.

Laut „Standard“ hängt die Verhaftung des Leibwächters allerdings auch mit den Ibiza-Ermittlungen zusammen. Die Festnahme soll durch die Soko Ibiza erfolgt sein, den Berichten zufolge hatte der Sicherheitsmann mit den Hintermännern des Ibiza-Videos zu tun und Teile des Materials über Strache mit ihnen geteilt. Der Fahrer und Bodyguard soll laut dem „Presse“-Bericht jahrelang von den falschen Abrechnungen gewusst haben. Demnach spielte der Sicherheitsmann auch eine zentrale Rolle beim Dreh des Ibiza-Videos. Den aktuellen Medienberichten zufolge habe er aus persönlicher Enttäuschung und Rache gehandelt.

Laut „Presse“ war der enge Vertraute von Strache trotz einer schweren Krankheit von dem Spitzenpolitiker fallengelassen worden. Demnach versuchte der Mitarbeiter bereits damals, sich zu rächen. Der Security hatte jahrelang belastendes Material über Strache und andere freiheitliche Politiker gesammelt, heißt es. Bereits vor einigen Jahren wollte er Beweise veröffentlichen, laut „Standard“ wandte er sich mit Geldforderungen an die Behörden. Weil darauf niemand reagierte, habe man sich etwas anderes überlegen müssen, beschreibt die „Presse“ die Version der Ibiza-Video-Hintermänner. „Weil die Behörden damals untätig waren, sei man erst auf die Idee gekommen, das Video zu machen“, heißt es in dem Online-Bericht.

Der Sicherheitsmann hatte damals behauptet, Rechnungen und Belege zu haben, die beweisen sollten, dass Strache private Kosten über die Partei und sein Spesenkonto von 10.000 Euro abgerechnet hat. Diese Belege liegen „Standard“ und „Presse“ laut ihren Angaben nun vor. Ihre Echtheit wurde von der FPÖ weder bestätigt noch dementiert, schreiben die Blätter. Bei der Staatsanwaltschaft verwies man auf „laufende Ermittlungen“ und darauf, dass es sich bei der Causa um eine „Verschlusssache“ handle. Eine Bestätigung der Berichte von offizieller Seite gab es daher nicht.