Staatsanwaltschaft bestätigt Untreueverdacht gegen Strache

Politik / 26.09.2019 • 22:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Auch Leibwächter und Büroleiterin des Ex-FPÖ-Chefs verdächtigt.

Wien Die Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag bestätigt, dass in der Spesenaffäre rund um den ehemaligen FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache erste Personen einvernommen worden sind. Dabei handelt es sich um den ehemaligen Leibwächter Straches und die frühere Büroleiterin des Ex-Spitzenpolitikers. Das Verfahren zur Spesenaffäre läuft bereits seit 18. September, hieß es in der Aussendung der Staatsanwaltschaft. Es hätte sich aus „Beweisergebnissen der Causa Ibiza“ entwickelt. In dem aktuellen Verfahren besteht der Verdacht, der Leibwächter und die Büroleiterin „hätten seit mehreren Jahren Privatausgaben von Heinz-Christian Strache im Wege von Scheinbelegen der Freiheitlichen Partei verrechnet“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie hätten die FPÖ „dadurch in einem 5000 Euro übersteigenden Betrag am Vermögen geschädigt“. Den Verdächtigen droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Verdächtigt wegen des Vergehens der Untreue sind derzeit der Leibwächter, die Büroleiterin und Strache selbst. Die FPÖ teilte am Donnerstag mit, dass die Behauptungen, wonach es ein Spesenkonto für FPÖ-Repräsentanten gegeben habe, falsch seien. Der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp bestätigte am Mittwoch der APA allerdings sowohl das Spesenkonto von Strache als auch den Mietzuschuss für den Ex-Parteichef von monatlich 2500 Euro. Vorarlbergs FPÖ-Obmann Christof Bitschi fordert neuerlich rasche Aufklärung. Auf die Frage nach einem Parteiausschluss Straches erklärte der Landesobmann, man müsse zunächst abwarten, was stimme und was nicht, gegebenenfalls müsse es klare Konsequenzen geben. 

Keine Drogen verabreicht 

Unterdessen veröffentlichten die „Süddeutsche Zeitung“ und der „Spiegel“ das Ergebnis eines Gutachtens deutscher Gerichtsmediziner zum Ibiza-Video.

Demnach sind weder Strache noch sein früherer Klubobmann Johann Gudenus während der Aufnahme unter Drogeneinfluss gestanden. Es gebe keine sichtbaren Anzeichen für die Verabreichung sogenannter K.-o.-Mittel. Sowohl die Körpersprache als auch das Gesprächsverhalten von Strache und Gudenus seien unauffällig, ihre Gesten inhaltsbezogen und nicht übertrieben, Wortwahl wie auch Grammatik sogar ausgefeilt. Dazu komme, dass die geschilderten Sachverhalte durchaus komplex seien. Wäre ein K.-o.-Mittel verabreicht worden, schreiben die Gutachter, wäre eine zunehmende Ermüdung bis hin zu Benommenheit zu erwarten gewesen. Wenn überhaupt, sei der Abend also die „bsoffene Gschicht“ gewesen, die Strache genannt hatte.