Ein Wechselbad der Gefühle

Politik / 29.09.2019 • 22:55 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Applaus für das eigene Ergebnis: Bei der VP Vorarlberg gab es im Dornbirner Martinspark bei Bekanntwerden des Wahlausgangs strahlende Gesichter.
Applaus für das eigene Ergebnis: Bei der VP Vorarlberg gab es im Dornbirner Martinspark bei Bekanntwerden des Wahlausgangs strahlende Gesichter.

Der Wahlausgang sorgte bei den einen für Hochstimmung und bei den anderen für Ernüchterung.

Bregenz, Dornbirn, Hohenems Frenetischer Applaus und gegenseitiges Schulterklopfen: Vorarlbergs Volkspartei hatte sich zur ersten Hochrechnung im Hotel Martinspark in Dornbirn versammelt. Das Bundesergebnis sei zwar höchst erfreulich, streute Landeshauptmann Markus Wallner seinem Bundesparteichef Sebastian Kurz Blumen. „Wir haben im Land aber das Ziel 40plus. Jetzt gilt es, dass wir uns voll und ganz auf die Landtagswahl am 13. Oktober konzentrieren“, bekräftigte Wallner unter dem Applaus der rund 150 Funktionäre, die auf der Wahlkampfparty bei Bier und Weißwürsten bester Laune waren. Als Dankeschön und Geschenk durften alle ein Sitzpolster mit nach Hause nehmen. Die Neos konnten am Sonntagabend auf ihre Europaabgeordnete und Hobbykonditorin Claudia Gamon zählen, die eigens für die Feier in der Dornbirner Parteizentrale im Gewerbepark Rhomberg´s Fabrik einen Kuchen gebacken hatte. Der schmeckte den Liberalen besonders gut, konnten sie doch das gute Ergebnis, das Parteigründer Matthias Strolz in Vorarlberg vorlegte, wiederholen. Gefeiert wurde – aber im Rahmen. Nur bei Verkündung des eigenen Ergebnisses war der Jubel im pink dekorierten Büro lauter als bei der Bekanntgabe der FPÖ-Zahlen. Praktische Überlegungen waren ausschlaggebend: Die anwesenden Parteimitglieder fassten nach Kuchen- und Brezel-Verzehr sowie einigen Gläsern Sekt die Plakate für die Landtagswahl aus, die nun im Land gegen die Bundeswahlplakate ausgetauscht werden.

Keine Grenzen kannte der Jubel bei den Grünen. Zahlreiche Anhänger der Grünen verwandelten das Kesselhaus in Bregenz am Sonntagabend in ein wahres Tollhaus. „Nina, Nina, Nina“, skandierten sie, als Nina Tomaselli gemeinsam mit Johannes Rauch bei der Wahlparty auftauchte. Passend dazu erschallte der aus den 1960er-Jahren stammende Song von Eddy Grant „Baby come back“. Und fulminant war das Comeback, das die Grünen auf Bundesebene hinlegten ja tatsächlich. Tomaselli kämpfte ob der Euphorie um ihre Person schließlich mit den Tränen.

Ganz anders die Stimmungslage bei der FPÖ. Die Enttäuschung ob des eigenen Ergebnisses saß tief, daran konnte nicht einmal der schöne Herbstabend etwas ändern, ebenso wenig wie die treuherzige Feststellung von Hubert Kinz in der Bregenzer Kreuzbar, in der die Vorarlberger Freiheitlichen ihre Wahlwunden pflegten: „Miar hond jo nüt agstellt.“ Landes–obmann Christoph Bitschi zeigte sich jedoch schnell wieder angriffig: „Nach der Landtagswahl wird ein Mitte-Fünfzig-ÖVPler nicht mehr grinsen“, spielte er auf LH Markus Wallner (52) an. Es sei höchste Zeit, die Füße in die Hand zu nehmen und für das Ländle zu rennen, motivierten sich die blauen Gesinnungsfreunde schließlich noch selbst.

Markus Fässler sitzt an einem kleinen Tisch im Eck und futtert seinen Toast, Landesgeschäftsführer Klaus Gasser kommentiert das Wahlergebnis mit dem S-Wort, als Pamela Rendi-Wagner im Fernseher spricht, wird die Lautstärke nicht aufgedreht. Die Stimmung bei der SPÖ-Wahlparty im Hotel Messmer in Bregenz könnte besser sein, aber auch schlechter. Landesspitzenkandidat Reinhold Einwallner und Landesvorsitzender Martin Staudinger besprechen intensiv das Wahlergebnis, beide üben sich in Zweckoptimismus: Eine Landtagswahl sei etwas anderes, viele Wähler hätten gesagt, dass sie auf Landesebene die SPÖ wählen würden, im Bund aber nicht. „An dir ist es sicher nicht gelegen“, ruft man Einwallner entgegen. Er lächelt geqäult. Zumindest der Umstand, dass es sich mit dem Grundmandat doch ausgegangen ist, lässt ihn ein wenig entspannen.

Entspannt geht es auch in Hohenems zu. Ein Dutzend Anhänger von Bernhard Amann hat sich im Kulturzentrum Prokontra versammelt, um das Wahlergebnis zu besprechen. Amann hat seinen Humor nicht verloren: „Wir befinden uns auf der Suche nach dem verlorenen Prozent.“ Die Stimmung ist gut, vor allem nach den letzten Angriffen von Peter Pilz auf den türkischen Kulturverein Atib hat man mit dieser Niederlage gerechnet. Die Anhänger gönnen sich ein verdientes Bier zum Ende des Wahlkampfs und widmen sich im Kopf schon der nächsten Aufgabe: Die Gemeindewahl 2020 steht an. Jetzt geht es wieder von der großen Bühne auf das kleine Parkett.

Die Neos waren im pinken Parteibüro in Feierlaune: Für Gerald Loacker gab es durchwegs herzliche Gratulationswünsche.
Die Neos waren im pinken Parteibüro in Feierlaune: Für Gerald Loacker gab es durchwegs herzliche Gratulationswünsche.
Die Grünen waren in absoluter Hochstimmung.
Die Grünen waren in absoluter Hochstimmung.
Ernüchterung herrschte bei den Freiheitlichen in der Bregenzer Kreuzbar ob des Wahlausgangs. Christoph Bitschi gab indes den Mutmacher für die Landtagswahl.
Ernüchterung herrschte bei den Freiheitlichen in der Bregenzer Kreuzbar ob des Wahlausgangs. Christoph Bitschi gab indes den Mutmacher für die Landtagswahl.
Bernhard Amann nahm mit seinen Jetzt-Getreuen das eigene Wahlergebnis vergleichsweise entspannt hin.
Bernhard Amann nahm mit seinen Jetzt-Getreuen das eigene Wahlergebnis vergleichsweise entspannt hin.
Zumindest ein Lächeln trotz bitterer Niederlage: SP-Landeschef Martin Staudingers Hoffnung gilt nun der Wende bei der Landeswahl.
Zumindest ein Lächeln trotz bitterer Niederlage: SP-Landeschef Martin Staudingers Hoffnung gilt nun der Wende bei der Landeswahl.