Grüne überholen Blaue

Politik / 29.09.2019 • 22:31 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Patricia Tschallener färbte zur Freude von Daniel Zadra ihre Haare grün.

Patricia Tschallener färbte zur Freude von Daniel Zadra ihre Haare grün.

Volkspartei bleibt stärkste Kraft, Absturz für Blaue und Wählereinbußen für die Roten.

SChwarzach Triumphierende Gesten bei Volkspartei, Grünen und Neos, lange Gesichter bei Freiheitlichen und Sozialdemokraten. Vor allem bei den Blauen hat dies einen triftigen Grund, sie wurden nämlich von den Grünen vom zweiten Platz verdrängt und müssen sich damit begnügen, drittstärkste politische Kraft im Land zu sein. Landesparteichef Christof Bitschi (FP) hat aus dem katastrophalen Ergebnis jedenfalls bereits seine Lehren gezogen: Er verlangt als Folge, „dass innerparteilich aufgeräumt wird“. Es gelte, die „völlig inakzeptablen Geschehnisse“ in jüngster Zeit zu analysieren und Konsequenzen zu ziehen, erklärte Bitschi und warf dabei offenbar einen kritischen Blick in Richtung Bundespartei. Darüber hinaus sei das Abschneiden „alles andere als ein Regierungsauftrag“.

FP-Bitschi: „Haben gute Inhalte“

Die Gründe für die großen Verluste liegen für den Blauen auf der Hand und haben jedenfalls nichts mit den Inhalten freiheitlicher Politik zu tun. Das sei auch ihm in Gesprächen auf der Straße in den vergangenen Wochen klar geworden. Was die bevorstehende Landtagswahl anbelangt, so hofft Bitschi darauf, dass die Wähler im Land anders ticken als im übrigen Österreich. „Vorarlberger differenzieren sehr stark. Wir haben gute Inhalte und sind ein gutes Team.“ Wenn es den Blauen gelinge, dies in den nächsten zwei Wochen zu transportieren, sei er optimistisch, auch im Landtag wieder stark vertreten zu sein. „Sie hat tapfer gekämpft“, ließ Landesparteichef Martin Staudinger (SP) durchblicken, dass er nicht Parteichefin Pamela Rendi-Wagner für das schlechte Abschneiden verantwortlich machen will. Nach einem Wahlkampf wie diesem könne man das Ergebnis nicht auf eine Person schieben.

Setzt VP auf Zweier-Koalition?

An einer Personaldiskussion hinsichtlich Rendi-Wagner wollte sich Staudinger nicht beteiligen und an eine Regierungskoalition der SP mit der VP glaubt er ebenso nicht. „Die nächsten zwei Wochen werde ich mich auf den Wahlkampf im Land konzentrieren“, fügte Staudinger hinzu und gab sich optimistisch: „Auf der Straße haben mir viele Menschen gesagt, dass sie zwar die Bundes-SP nicht wählen, ihnen aber mein Kurs des Miteinander gefällt.“ Erfreut zeigten sich die Landessprecher von Grünen und Neos, Johannes Rauch und Sabine Scheffknecht. „Ich bin vollkommen überwältigt“, sagte Rauch, Scheffknecht war „sehr froh“, dass ihre Partei in Vorarlberg wieder ein Grundmandat erreicht hat. Beide wollten die „gute Stimmung“ mit in den Landtagswahlkampf nehmen, sahen aber den Wahlerfolg nicht als eins zu eins auf die Landtagswahl umsetzbar. „Es sind zwei unterschiedliche Wahlen“, sagten sie unabhängig voneinander. Rauch wollte nicht über eine mögliche Regierungsbeteiligung der Grünen auf Bundesebene spekulieren, und Scheffknecht glaubte nicht, dass die Pinken dabei zum Zug kommen werden. „Ich denke, Ziel der Volkspartei ist eine Zweier-Koalition.“

Blons als pinke Hochburg

Bei einem Blick auf das Abschneiden der Parteien in den Gemeinden entpuppen sich Blons, Lech und Schnifis mit 20,7 sowie 18,7 und 17,9 Prozent als Hochburgen für die Neos. In Blons erreichten die Pinken gar im bundesweiten Vergleich das höchste Votum. In Fontanella (83,5) sowie Warth (80,8) und Damüls (76,3) haben hingegen die Schwarzen die Nase vorn. Spitzenreiter bei den Roten ist Bürs mit 25,1 Prozent, und die Grünen holten mit 22,2 Prozent in Klaus landesweit ihr bestes Ergebnis. Stichwort Grüne: In Hohenems hatte die Grüne Patricia Tschallener gewettet: Wenn die Grünen auf mehr als zehn Prozent der Stimmen kommen, färbe sie ihre Haarpracht grün (Foto).

„Jetzt gilt es, inakzeptable Geschehnisse zu analysieren und innerparteilich aufzuräumen.“

Ich freue mich über das bundesweit sehr gute Gesamtergebnis der Volkspartei. Das Landesmandat, auf dem ich bin, ist jenes, das am schwersten erreichbar ist. Noch sind die Wahlkarten allerdings nicht ausgezählt. Deshalb bin ich jetzt quasi in einer Warteposition, was das dritte Mandat bei der Nationalratswahl betrifft. Martina Ess, NR-Kandidatin, VP

Ich freue mich über das bundesweit sehr gute Gesamtergebnis der Volkspartei. Das Landesmandat, auf dem ich bin, ist jenes, das am schwersten erreichbar ist. Noch sind die Wahlkarten allerdings nicht ausgezählt. Deshalb bin ich jetzt quasi in einer Warteposition, was das dritte Mandat bei der Nationalratswahl betrifft. Martina Ess, NR-Kandidatin, VP

Die Ereignisse, vor allem in der jüngsten Zeit, gingen nicht spurlos an uns vorüber. Dieses Ergebnis ist eine Katastrophe für uns. Jetzt müssen alle Dinge auf den Tisch, es gilt in Wien Konsequnzen zu ziehen. Im Land werden werden wir uns mit voller Kraft hinter Christof Bitschi stelllen und uns auf die Landtagswahl konzentrieren. Reinhard Bösch, NR-Kandidat,FP

Die Ereignisse, vor allem in der jüngsten Zeit, gingen nicht spurlos an uns vorüber. Dieses Ergebnis ist eine Katastrophe für uns. Jetzt müssen alle Dinge auf den Tisch, es gilt in Wien Konsequnzen zu ziehen. Im Land werden werden wir uns mit voller Kraft hinter Christof Bitschi stelllen und uns auf die Landtagswahl konzentrieren. Reinhard Bösch, NR-Kandidat,FP

Wir haben in Vorarlberg das beste Ergebnis aller Zeiten erreicht und sind zweitstärkste Kraft geworden. Ich habe immer an das Projekt eines Comebacks in den Nationalrat der Grünen geglaubt. Das es jedoch so fulminant ausfällt, hätte ich nie gedacht. Ich werde mich im Nationalrat für Klimaschutz und leistbares Wohnen einsetzen. Nina Tomaselli, NR-Kandidatin, Grüne

Wir haben in Vorarlberg das beste Ergebnis aller Zeiten erreicht und sind zweitstärkste Kraft geworden. Ich habe immer an das Projekt eines Comebacks in den Nationalrat der Grünen geglaubt. Das es jedoch so fulminant ausfällt, hätte ich nie gedacht. Ich werde mich im Nationalrat für Klimaschutz und leistbares Wohnen einsetzen. Nina Tomaselli, NR-Kandidatin, Grüne

Ich habe den Einzug in den Nationalrat abermals knapp geschafft, das Ergebnis unserer Partei ist allerdings sehr, sehr ernüchternd ausgefallen. Wir sind in Vorarlberg auf das Niveau von 2013 zurückgefallen, die Umfragen haben sich wider Erwarten leider bestätigt. Pamela Rendi- Wagner hat bis zuletzt tapfer gekämpft. Reinhold Einwallner, NR-Kandidat, SP

Ich habe den Einzug in den Nationalrat abermals knapp geschafft, das Ergebnis unserer Partei ist allerdings sehr, sehr ernüchternd ausgefallen. Wir sind in Vorarlberg auf das Niveau von 2013 zurückgefallen, die Umfragen haben sich wider Erwarten leider bestätigt. Pamela Rendi- Wagner hat bis zuletzt tapfer gekämpft. Reinhold Einwallner, NR-Kandidat, SP

Noch nie hat eine liberale Partei in Österreich ein so gutes Ergebnis erzielt. In Vorarlberg haben wir diesmal mit 13,2 Prozent der Stimmen wieder ein Direktmandat erreicht. Das zeigt, dass unsere Arbeit als Kontrolleure der Macht und Treiber von Zukunftsthemen auf Bundes- und Landesebene von vielen Wählern honoriert wird.  Gerald Loacker, NR-Kandidat Neos

Noch nie hat eine liberale Partei in Österreich ein so gutes Ergebnis erzielt. In Vorarlberg haben wir diesmal mit 13,2 Prozent der Stimmen wieder ein Direktmandat erreicht. Das zeigt, dass unsere Arbeit als Kontrolleure der Macht und Treiber von Zukunftsthemen auf Bundes- und Landesebene von vielen Wählern honoriert wird.  Gerald Loacker, NR-Kandidat Neos

Aus meiner Sicht war dieses schlechte Abschneiden unserer Liste zu erwarten, ich hatte es jedenfalls befürchtet. In nur zwei Monaten Landesgruppen zu bilden und das Wahlprogramm rüberzubringen, ist nur sehr schwer möglich. Ob ich bei der Liste bleiben und nochmals kandidieren werde, weiß ich noch nicht. Bernhard Amann, NR-Kandidat Liste Jetzt

Aus meiner Sicht war dieses schlechte Abschneiden unserer Liste zu erwarten, ich hatte es jedenfalls befürchtet. In nur zwei Monaten Landesgruppen zu bilden und das Wahlprogramm rüberzubringen, ist nur sehr schwer möglich. Ob ich bei der Liste bleiben und nochmals kandidieren werde, weiß ich noch nicht. Bernhard Amann, NR-Kandidat Liste Jetzt