IS-Waisenkinder in Wien gelandet

Politik / 02.10.2019 • 21:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Buben befanden sich zuvor im nordsyrischen Lager Al-Hol. AFP

Zwei Söhne einer verstorbenen IS-Anhängerin in österreichischer Obhut.

Wien Die Kinder einer höchstwahrscheinlich verstorbenen österreichischen Anhängerin der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind am Mittwoch in Österreich gelandet. Das bestätigte Außenministeriumssprecher Peter Guschelbauer am Mittwochabend. Die beiden Vollwaisen waren zu Mittag aus dem kurdischen Internierungslager al-Hol in Nordsyrien geholt und an der syrisch-irakischen Grenze den österreichischen Behörden übergeben worden. Am Nachmittag erfolgte der Flug vom irakischen Erbil nach Wien. Nach der Landung wurden die Kinder demnach in eine Heeres-Einrichtung gebracht.

Keine Spur von Eltern

Die Mutter, Sabina S., begab sich 2014 im Alter von 15 Jahren gemeinsam mit der 16-jährigen Samra K. nach Syrien, um dort Teil des IS zu werden. Der Fall sorgte international für Schlagzeilen. Mit dem Flugzeug reiste der Teenager zunächst in die türkische Hauptstadt Ankara und dann weiter nach Adana, wo sich seine Spur verlor. Wie S. ums Leben kam, ist nicht geklärt. Vonseiten des Außenministeriums hieß es, die Wienerin sei vermutlich in der Schlacht um die letzte IS-Hochburg Baghus gestorben. Auch vom Vater der Kinder fehle jede Spur.

Die Mutter von S., Senada S., fand ihre Enkel schließlich mit der Hilfe des aus Vorarlberg stammenden Politikwissenschaftlers Thomas Schmidinger im kurdischen Gefangenenlager. Die Großeltern bemühen sich schon seit Monaten darum, die Buben nach Österreich zu bringen.

Dass sich die Rückholaktion länger hinzog, dürfte jedenfalls nicht an den Kurden liegen, sagt Schmidinger zu den VN. „Sie haben schon im April gesagt, dass es schnell und unbürokratisch möglich sein soll, die Kinder zurückzubringen. Es ist wohl den politischen Debatten in Österreich geschuldet, dass es länger ging. Ich freue mich jedenfalls, dass es nun klappt.“

Mehrere Fälle

Der Politologe verweist auf weitere Fälle mit Österreich-Bezug. Ihm seien zwei österreichische Frauen mit Kindern sowie ein Mann in kurdischer Obhut bekannt. Dazu kommen Menschen, die in Österreich gelebt haben, aber keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzen. „Bei den Staatsbürgern hat es in Einzelfällen Bemühungen gegeben, sie zurückzuholen“, erläutert Schmidinger. So erklärte das Außenministerium Anfang September, dass auch im Fall der Salzburgerin Maria G. und ihrer Kinder ein DNA-Test veranlasst wurde, um die Staatsbürgerschaft bestätigen zu können. Seit 2015 ist G. mit Europäischem Haftbefehl vom Landesgericht Salzburg zur Festnahme ausgeschrieben.