Lob und Tadel für Wallners Personalentscheidungen

Politik / 02.10.2019 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wirtschaftskammervizedirektor Marco Tittler wird ins Regierungsteam von LH Markus Wallner geholt. Die Landtagsvizepräsidentin Martina Rüscher soll ebenso auf die Regierungsbank geholt werden.

Am Mittwochnachmittag werden Martina Rüscher und Marco Tittler als neue Mitglieder im künftigen Regierungsteam von LH Markus Wallner präsentiert.

Schwarzach, Bregenz Am Mittwoch werden in der Landesgeschäftsstelle der Vorarlberger ÖVP die Drähte heißlaufen. Es gilt, alle Mitglieder des Parteipräsidiums und -vorstandes zu informieren, dass Parteichef Landeshauptmann Markus Wallner sein Regierungsteam umbauen möchte. Am frühen Nachmittag wird die Personalrochade offiziell bekannt gegeben. Wie die VN berichteten, werden Martina Rüscher und Marco Tittler nach der Wahl auf die Regierungsbank wechseln. Tittler folgt Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser nach, Martina Rüscher soll ebenfalls ins Regierungsteam wechseln und könnte Gesundheitslandesrat Christian Bernhard beerben.

Tittler hinterlässt in der Kammer eine Lücke

Anfang 2018 rückte Marco Tittler zum stellvertretenden Direktor der Vorarlberger Wirtschaftskammer auf. Dort hinterlässt er eine Lücke. „Es ist weit und breit kein geeigneter Nachfolger in Sicht“, heißt es in der Kammer. Sein Verhältnis zu Direktor Christoph Jenny und Präsident Hans Peter Metzler soll nicht das Beste sein, dennoch legt Metzler Wert auf die Feststellung, dass „im Fall Tittler der Wirtschaftsbund sein Vorschlagsrecht genutzt hat“. Kein Wunder also, dass man in der Kammer die Nominierung befürwortet. In der Arbeiterkammer (AK) zeigt man sich hingegen alles andere als hellauf begeistert. Es sei entäuschend, dass offenbar kein Unternehmer bereit sei, den Job zu übernehmen. „Unterm Strich handelt es sich um keine mutige Entscheidung von Wallner“, heißt es aus der AK.

Vorschusslorbeeren von IV-Präsident Ohneberg

Tittler saß auch als Vertreter der Wirtschaftskammer im Vorstand des Energieinstituts. Dort sei er als wirtschaftspolitischer Hardliner aufgefallen, habe die Probleme der Unternehmer thematisiert statt Lösungsansätze vorgebracht, heißt es. Obwohl laut Statuten Vorstandsmitglieder dem Institut wohlwollend gegenüberstehen sollten, habe er sich bemüht, das Institut klein zu halten. Tittler sei aber stets fachlich top vorbereitet und menschlich korrekt aufgetreten. Vorschusslorbeeren erhält Tittler von Martin Ohneberg, Präsident der Industriellenvereinigung (IV): „Wir schätzen Marco. In der kommenden Periode stehen wichtige Weichenstellungen an, da gilt es mutig zu entscheiden.“

Im Gegensatz zu Tittler ist Rüscher politisch kein unbeschriebenes Blatt. Die Unternehmerin leitet die ÖVP-Frauenbewegung, sitzt seit 2014 im Landtag und wurde 2018 Landtagsvizepräsidentin. Im Landtag fiel sie auf, als sie als einzige Abgeordnete für die Ehe für alle stimmte. Gerald Fleisch, Chef der Spitalsgesellschaft, spricht von einer sehr guten Personalie, sollte Rüscher Bernhard nachfolgen. Rüscher sei eine engagierte und authentische Frau und stehe hinter dem Gesundheitswesen. In der Ärztekammer hätte man Manfred Brunner das Amt gegönnt. Brunner habe sich zum Wohl der Patienten gegen die Kassenfusion gestellt. Wallner habe das wohl als Angriff auf die ÖVP interpretiert. Rüscher wird als offene Person mit Handschlagqualität bezeichnet.

Während Rüschers Name von Beginn an Teil der Nachfolge-Spekulationen war, ist Tittler später dazugekommen. Er habe sich zwar rasch selbst ins Spiel gebracht, allerdings holte sich die ÖVP zuerst einige Absagen ab. Bei den übrig gebliebenen Kandidaten dürfte Karlheinz Rüdissers Einschätzung schließlich ausschlaggebend gewesen sein. Offiziell werden die beiden ihr Amt erst nach der Landtagswahl und möglichen Koalitionsverhandlungen antreten können. VN-MIP, MM, TW