Die Jugend wählt anders

Politik / 03.10.2019 • 22:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Werner Kogler (l., Grüne) und Sebastian Kurz (ÖVP) konnten die meisten Jugendlichen überzeugen. Platz drei nimmt bei den Unter-30-Jährigen die FPÖ ein. APA
Werner Kogler (l., Grüne) und Sebastian Kurz (ÖVP) konnten die meisten Jugendlichen überzeugen. Platz drei nimmt bei den Unter-30-Jährigen die FPÖ ein. APA

Jugendforscher ortet Spaltung der Gesellschaft und sieht bedrohliche Entwicklung.

WIEN Das Wahlverhalten unter 30-Jähriger ist eigenartig. Das stellt das Sozialforschungsinstitut SORA immer wieder fest. Zuletzt hat es das im Rahmen einer Befragung zur Nationalratswahl 2019 getan: Die ÖVP kam in dieser Altersgruppe nicht auf rund 37, sondern nur auf 27 Prozent. Damit lag sie bei den Jungen gleichauf mit den Grünen.

Für die Ökopartei bedeuteten die 27 Prozent wiederum, dass sie in dieser Gruppe ziemlich genau doppelt so stark war wie insgesamt. Besser schnitten auch die Freiheitlichen mit 20 Prozent ab. Die Sozialdemokraten haben dagegen ein echtes Nachwuchsproblem. Gerade einmal 14 Prozent der unter 30-Jährigen wählten sie. Das reicht hier nur für Platz vier. Die Neos kamen auf acht Prozent. Das entsprach ihrem Gesamtergebnis über alle Altersgruppen hinweg.

„Nicht verallgemeinern“

Der Wiener Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier überrascht mit einer Klarstellung dazu: „Junge wählen nicht anders, sondern unterschiedlich“, wie er im Gespräch mit den VN sagt: „Wir machen immer wieder den Fehler, verallgemeinernd von den Jungen zu reden. Sie sind für mich jedoch nicht erkennbar, wenn ich in meine Untersuchungen schaue.“

Der 59-Jährige differenziert, wenn es ums Wahlverhalten geht: Obere Bildungsschichten in urbanen Gegenden ziehe es „ganz stark“ zu den Grünen, Mittel- und Unterschichten bundesweit zu ÖVP und FPÖ. Bei den Unterschichten würden die Freiheitlichen sogar „bei weitem“ vorne liegen. Belanglos ist das nicht, wie Heinzlmaier überzeugt ist. Im Gegenteil, er spricht von einer großen Gefahr: „Ich sehe eine Spaltung der Gesellschaft.“ Eine linksorientierte Minderheit besitze ein Meinungsmonopol und versuche, die Mehrheit zu dominieren, die ihrerseits weder einen Montessori-Kindergarten oder eine Waldorf-Schule besuchen oder in den Sommerferien sechs Wochen Bildungsurlaub machen könne. Die ÖVP schaffe es unter Sebastian Kurz, bei dieser Mehrheit zu punkten: „Er spricht ihre Interessen an.“ Bei der FPÖ sei der Erfolg quasi vorprogrammiert: Sie sei eine rebellische Partei, die durchaus auch Rache im Sinne der Benachteiligten verspricht.

Doch ist da nicht auch das Thema Klimaschutz, bei dem besonders Junge Druck machen? Heinzlmaier sieht erheblichen Idealismus besonders bei Grünen sowie Teilen der Linken und wundert sich, dass sie das Thema nicht über die soziale Frage aufziehen, um auch eine breite Masse dafür zu gewinnen: „Wenn wir über Klimaschutz reden, müssen wir immer auch darüber reden, wer das finanzieren soll.“ Nachsatz: Das könnten nicht die tun, die nichts haben, das müssten vor allem die übernehmen, die genügend besitzen.

Auch in Vorarlberg ist das Wahlverhalten der unter 30-Jährigen anders als das der gesamten Wählerschaft. SORA hat das etwa bei der vergangenen Landtagswahl erhoben: Mit großem Vorsprung wählte die Jugend damals die FPÖ mit 37 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 25 und den Neos mit 15 Prozent. Die ÖVP musste sich mit 13 Prozent begnügen. Auf die SPÖ entfielen gerade einmal sieben Prozent. JOH