HAK will Alternative sein

Politik / 05.10.2019 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für Spitzenkandidat Murat Durdu ist das Wort „Integration“ problematisch. Es fehle eine genaue Definition, sagt er. VN/PAULITSCH

Partei sieht sich vor allem als Stimme für Vorarlberger mit Migrationshintergrund.

schwarzach „Der Einzug in den Landtag ist unser primäres Ziel“, sagt Murat Durdu, Spitzenkandidat der Kleinpartei Heimat aller Kulturen (HAK). Gleichzeitig betont der 40-Jährige: „Wir werden aber auch nicht den Weltuntergang heraufbeschwören, wenn wir das nicht schaffen.“ Vielmehr gehe es darum, dass Menschen mit Migrationshintergrund, insbesondere türkischstämmige Vorarlberger, zur Wahlurne gehen und mitentscheiden. Die HAK trat heuer erstmals bei der Arbeiterkammerwahl an. Dort schaffte sie aus dem Stand 6,1 Prozent. Bei der Landtagswahl am 13. Oktober wird sie als eine von sieben Kleinparteien in jedem Wahlbezirk auf dem Stimmzettel stehen.

Viele Menschen mit ausländischen Wurzeln seien zwar schon seit längerer Zeit physisch in Vorarlberg angekommen, aber psychisch noch immer in erster Linie mit dem Herkunftsland der Eltern oder der Großeltern verbunden, schildert Durdu. „Das wollen wir ändern.“ Der Name sei Programm. „Wir möchten erreichen, dass Vorarlberg die Heimat wirklich aller Menschen ist, die hier leben.“ Seine Partei soll als Alternative für alle fungieren, die sich keiner etablierten Partei verbunden fühlen und sich daher in der Vergangenheit immer für das „bessere Übel“ entscheiden mussten, sagt der Lochauer. Er ist sich sicher: „Die Vorarlberger mit ausländischen Wurzeln sind nicht politisch desinteressiert, im Gegenteil.“

Debatte um Wahlrecht

Als ein großes Thema bezeichnet Durdu die Diskussion um das Wahlrecht. Dass viele Menschen, die schon jahrelang im Land leben, nicht wählen dürfen, da sie keine Staatsbürgerschaft besitzen, sei problematisch. „Wir müssen eine gewisse Zeitspanne definieren, seien es fünf, seien es zehn oder fünfzehn Jahre. Aber wenn ein Mensch länger hier wohnt, soll er auf Landesebene unabhängig von der Staatsbürgerschaft das Wahlrecht bekommen.“

Durdu glaubt nicht, dass Vorarlberg zu wenig für Menschen mit Migrationshintergrund tut. „Wir haben ein buntes Vereinsleben im Land mit zahlreichen Veranstaltungen.“ Insbesondere aus Wien, also von Bundesseite, habe sich aber der Ton zuletzt verschärft. „Dass Vereine wie zum Beispiel Atib auf einmal extremistisch oder abhängig von ausländischen Politikern sein sollen, ist Nonsens.“ Das Wort „Integration“ sieht der bald 40-Jährige übrigens kritisch. „Wo fängt Integration an, wo hört sie auf?“ An den Sprachkenntnissen könne man sie jedenfalls nicht festmachen, da ein Großteil der Menschen mit Migrationshintergrund bereits gut bis sehr gut deutsch spreche. „Wir haben das Gefühl, dass man mit Integration nicht Integration, sondern Assimilation meint“, glaubt Durdu. „Dabei kann keiner von einem anderen erwarten, dass er so wird wie er selbst.“

Zur Person

Murat Durdu

Spitzenkandidat der Heimat aller Kulturen (HAK) bei der Vorarlberger Landtagswahl

Geboren: 26. November 1979

Beruf: Speditionskaufmann

Wohnort: Lochau

Familie: verheiratet, drei Kinder

Forderungen der HAK

Gehör verschaffen: Der Landeshauptmann soll klarstellen, dass Menschen mit Migrationshintergrund ein wichtiger Teil Vorarlbergs sind.

Toleranz: Vorurteile sollen abgebaut werden.

Mitsprache: Die HAK will sich mit ihren Themen nicht nur an gewisse Communities oder Glaubensgruppen richten. Wenn es um die Zukunft Vorarlbergs geht, soll es aber für alle ein Mitspracherecht geben.