Türkei verlegt Soldaten an türkisch-syrischer Grenze

Politik / 06.10.2019 • 22:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Türkei bewegt an der Grenze zu Syrien ihre Truppen.AFP
Die Türkei bewegt an der Grenze zu Syrien ihre Truppen.AFP

Hintergründe der Offensive gegen Kurden in Nordsyrien.

Wien Kobane an der syrisch-türkischen Grenze hatte sich 2014 mit erfolgreichem Durchhalten gegen den damals übermächtigen „Islamischen Staat“ (IS) den Ruhm einer „Heldenstadt“ erworben. Jetzt greifen seine Männer und bekannt tapferen Frauen wieder zu den Waffen – diesmal bedroht von der Türkei. Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat seine schon mehrmals angedrohte Besetzung einer 30 Kilometer tiefen Sicherheitszone zwischen Euphrat und Tigris nun endgültig für diese Woche verkündet. In dem Streifen liegen die wichtigsten Zentren der nordsyrischen Kurden und Christen, von Manbidsch und Kobane bis zur aramäisch-armenischen Bischofsstadt Qamischlie. Zum Beweis dafür, dass die kurdisch-christliche Selbstverwaltung dieser schmalen Gegend wirklich eine Gefahr für die große Türkei darstellt, explodierte samstags eine den Kurden angelastete Autobombe im schon 2016 besetzten Dscharabuls.

Hauptargument Erdogans zur Begründung seiner Expansionsgelüste sind angebliche Verbindungen der beim internationalen Niederringen der IS-Terrormiliz führenden „Heimwehren“ (YPG) zum kurdischen PKK-Untergrund innerhalb der Türkei. Zwar grüßt der seit 20 Jahren in einem Inselverließ lebend begrabene türkische Kurdenführer Abdullah Öcalan auch im syrischen Kurdistan als Nationalheld überall von Porträts und Plakaten. Unter dem Kommando der PKK stehen aber nur die „Hêzên Parastina Gel“. Bei der Verteidigung von Kobane hatten sie eine wichtige Rolle gespielt, snd aber heute in Syrien nur wenige Hundertschaften stark.

Der EU versucht Ankara seine Ausweitung nach Syrien hinein als Rücksiedlungsgebiet für die inzwischen fast vier Millionen Flüchtlinge auf türkischem Boden schmackhaft zu machen. Als einzige Alternative verweist Erdogan auf ein Abschieben dieser für die Türkei untragbar geworden Last Richtung EU-Staaten. Seine schon vergelegten Ansiedlungspläne erinnern aber verdächtig an Saddam Husseins ehemalige „Dörfer“ für Kurden im Irak mit hohen Zäunen aus Stacheldraht. GSTRE