Peter Schröder

Kommentar

Peter Schröder

Die Macht der Derangierten

Politik / 07.10.2019 • 05:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Aufregen ist angesagt: Denn zu beklagen ist eine schier unglaubliche Verrohung der Politiker und ihrer Politik. Und damit ein Rückfall in die dunkelsten Zeiten der Geschichte.

Jüngstes Beispiel: Zur Abwehr von Flüchtlingen spielt US-Präsident Donald Trump mit dem Gedanken, Wassergräben entlang der US-Grenze zu Mexiko anlegen zu lassen. In denen will er unterhalb der Wasseroberfläche messerscharfe Stahlspitzen platzieren lassen, die Flüchtlinge zerfleischen können. In anderen Gräben sollen Giftschlangen und Krokodile “Grenzverletzer” von der unerlaubten Einreise abhalten. Fluchtwilligen, die US-Grenzbeamte mit Steinen attackieren, könnten Border-Guards einfach in die Beine schießen. Geht es noch wahnwitziger?

Aber die Sache mit dem Schießen auf Asylbewerber hat vor einiger Zeit ja auch schon eine deutsche Parlamentarierin (Beatrix von Storch) angeregt. Und bis zum Mauerfall in Deutschland wurde die Tötungssache mit “Selbstschussanlagen” automatisiert. Bislang haben Berater dem Präsidenten die kruden Ideen immerhin ausreden können, aber wer weiß, was dem Mauer- und Schutzgraben-Fan sonst noch einfallen wird.

Auch sonst gibt es auf der Welt derzeit jede Menge Derangierte mit Abschreckungs-Monstrositäten: Der philippinische Präsident Duterte lässt vermeintliche oder tatsächliche Drogenkriminelle aus Flugzeugen ins Meer werfen. Der Trump freundschaftlich verbundene nordkoreanische Steinzeitdiktator Kim Jong-un hat seinen Spaß daran, Familienmitglieder und sonstwie in Ungnade gefallene Ex-Günstlinge mit Flugabwehrraketen zerfetzen zu lassen. In Staaten wie der Volksrepublik China, Russland und Nordkorea lassen die Machthaber politische Gefangene und andere „Unliebsame“ foltern und zu Tode schinden. Wie in Konzentrationslagern in der jüngeren Geschichte Europas.

In mehr als einem halben Dutzend Staaten finden sozusagen zur Volksbelustigung öffentliche Hinrichtungen statt. So wie im alten Rom Sklaven blutrünstigen Löwen zum Fraß vorgeworfen wurden. In eine andere, aber ebenfalls verachtenswerte Kategorie fällt die von US-Präsident Trump angeordnete „Käfighaltung“ von Kindern illegaler Einwanderer in den USA.

Bei alledem stellt sich die Frage, wie krank Regierende sind, die sich solche Unmenschlichkeiten einfallen lassen oder goutieren. Und wie abgestumpft sind Regierte, die solche Monster in Vergangenheit und Gegenwart gewähren ließen und lassen, statt sie zum Teufel zu jagen – mit Impeachment oder Abwahl, oder zumindest einem lautstarken „Hört auf damit!“. Denn die Geschichte lehrt auch: Die Stummen von heute können schnell die Opfer von morgen sein.