Türkei will Offensive in Syrien durchziehen

Politik / 08.10.2019 • 22:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Fehlende Luftwaffe ist die entscheidende Schwäche der Kurden.

Heinz Gstrein

Wien Obwohl Ankara weiter nur „Invasions-Bereitschaft“ vortäuscht, hat im Osten Syriens der türkische Angriff schon begonnen: mit Bomben, Raketen und Artilleriebeschuss auf die je zur Hälfte kurdische und christlich-aramäische Stadt Derik bei der irakischen Tigrisgrenze. Hier und an der Zollstation Semalka will die Türkei sichtlich zu allererst verhindern, dass Peschmerga-Verbände aus dem autonomen irakischen Kurdistan ihren syrischen Landsleuten zu Hilfe kommen. Wie sie es schon 2014 getan hatten, um diese bei erfolgreicher Abwehr der „Nord-Offensive“ des Islamischen Staates (IS) zu unterstützen.

Türkei ist überlegen

Wenn die kurdischen Volk-Schutzwehren (YPG) sich damals in Kobane und anderen „Heldenstädten“ gegen die Terrormiliz behaupten konnten, war das hauptsächlich der ihnen gewährten internationalen Luftunterstützung zu verdanken. Der IS verfügte über keine eigenen Flugzeuge, während die Türkei jetzt über ein mit Kampfbombern und Raketen bestücktes Monopol am nordsyrischen Himmel verfügt. Diese Überlegenheit könnte in diesem kurdischen Freiheitskampf verhängnisvoll werden.

Noch steht in Derik das meiste noch so, wie es dort und im ganzen syrischen Nordosten Kurden, Christen und Araber gemeinsam seit 2012 aufgebaut haben: Schulen, Krankenhäuser, demokratische Gemeindeverwaltung, Kirchen und Moscheen, in denen nicht zum Heiligen Krieg gerufen wird. Als einziger Teil Syriens blieb dieses kurdisch dominierte „Rojava“ vor dem Bürgerkrieg bewahrt.

In Derik hatte Syriens Diktatorenclan von Vater und Sohn Assad den Anfang mit ihrem Vorbild zur heute drohenden türkischen „Sicherungszone“ gemacht, mit dem sogenannten „Arabischen Gürtel“. Damaskus siedelte unter Kurden und Aramäern gezielt Araber an, jede kurdische Bezeichnung musste verschwinden. Auch Derik, das seinen Namen einem alten christlichen Kloster verdankte, wurde in „Malikiyah“ umbenannt. Jetzt bedient sich der erste türkische Heeresbericht von der „Friedensoperation“ jenseits der syrischen Grenze wieder dieses bei den Einheimischen verhassten Namens. Ein Zusammengehen der syrischen Kurden mit dem Assad-Regime, das ihnen den Beistand von dessen schlagkräftiger Luftwaffe einbrächte, ist deshalb in ihrer Führung umstritten.