„Strache ist keine Identifikationsfigur wie Haider“

Politik / 09.10.2019 • 08:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Haider (l.) und Strache haben die FPÖ-Geschichte über lange Zeit geprägt. APA

Historiker Höbelt hält FPÖ-Spaltung für unwahrscheinlich. Strache zündelt.

Birgit Entner-Gerhold

Wien Vorerst ist der Name Strache in der FPÖ Geschichte. Die Parteispitze hat ihren früheren Obmann suspendiert und seiner Ehefrau ein Nationalratsmandat verwehrt. Das heißt nicht, dass die Freiheitlichen die Straches losgeworden sind. Philippa Strache könnte ihr Mandat laut Landeswahlbehörde aufgrund rechtlicher Vorgaben doch noch zustehen. Und Heinz-Christian Strache zündelt kurz nach seinem Abgang vergangene Woche wieder ordentlich auf Facebook. Zum einen teilte er am Montagabend einen Artikel mit dem Titel „Totgesagte leben länger: Strache-Partei könnte es auf Anhieb in den Nationalrat schaffen“. Zum anderen warf er der FPÖ vor, „die Arbeit der Linken gegen meine Person und Philippa selbst am besten erfüllt“ zu haben. „Besser hätten es die Linken nicht machen können. Soll das freiheitlich sein?“  Trotz aller Enttäuschung Straches glaubt Parteikenner Lothar Höbelt nicht, dass der frühere FPÖ-Chef eine eigene Liste gründen wird: „Das entspräche nicht seiner Natur.“

Nur eine Parallele zu Haider

Bei den Freiheitlichen ist es mit Strache nach 14 Jahren an der Spitze vorerst vorbei. Er stand der FPÖ fast so lange vor wie einst Jörg Haider. Für Lothar Höbelt ist das die einzige Gemeinsamkeit: „Beide haben die Parteigeschichte über lange Zeit geprägt“, sagt der Historiker, der 1997 am FPÖ-Programm von Haider mitgeschrieben hatte und von 2000 bis 2002 wissenschaftlicher Leiter der blauen Parteiakademie war. Haider sei für die Freiheitlichen eine prägendere Gestalt gewesen: „Er hat die FPÖ von einer Fünf-Prozent-Partei zu einer der stärksten des Landes gemacht.“ Strache habe das in einer zweiten Welle eigentlich nur wiederholt, „mit einem ganz anderen Stil“. So wollte sich Haider relativ früh von den Strukturen freispielen. Er habe das Gefühl vermittelt, dass es ihm ohne Partei eigentlich besser ginge, erinnert sich Höbelt. „Haider war jemand, der immer in Extremen gelebt hat.“ Strache hingegen sei aus der Mitte der Gesellschaft gekommen. Er sei in der FPÖ immer Teil einer Gruppe gewesen, habe sich an die Funktionäre gehalten und sie konsultiert. „Strache hat sein privates Leben und seinen Aufstieg mit der Partei verbunden. Haider hat in ihr hingegen mehr eine Absprungbasis gesehen.“ Mittlerweile ist Strache zum Sündenbock mutiert. Das Ibiza-Video hat ihn seine Posten als Vizekanzler und Parteichef gekostet, die Spesen-Affäre vorerst seine Mitgliedschaft. Die FPÖ stürzte bei der Nationalratswahl auf 16 Prozent ab.

Reibungsverluste

„Vielleicht wird Strache über Gebühr hinaus zum Sündenbock gemacht“, meint Höbelt. Dass es zu einer Parteispaltung kommen könnte, glaubt er nicht. Höbelt hält den Ex-FPÖ-Chef für nicht willens, etwas Eigenes zu machen. „Ich schließe aber auch nicht aus, dass sich die Freiheitlichen aufgrund persönlicher Streitigkeiten zu sehr mit sich selbst beschäftigen.“ Der Unterschied zu den 2000er-Jahren sei jedoch groß. So habe Haider die Partei selbst destabilisiert. Strache seien hingegen Dinge zum Verhängnis geworden, die nichts mit seinen politischen Entscheidungen zu tun gehabt hätten. Durch die Affären sieht Höbelt bei den Wählern zwar Enttäuschung und Reibungsverluste. In der Partei selbst ortet er aber keine Gefahr: „Strache war nicht gar so eine Identifikationsfigur wie Haider.“