Erstmals wieder ein Rückgang

Politik / 11.10.2019 • 22:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

In Vorarlberg bezogen 2018 um 3,3 Prozent weniger Menschen Mindestsicherung als im Jahr zuvor.

wien Die Zahl der Mindestsicherungsbezieher ist erstmals seit 2012 wieder zurückgegangen. 2018 bezogen mit 289.646 Personen um 5,9 Prozent weniger Menschen Mindestsicherung als im Jahr zuvor. Außer in Kärnten war in allen Bundesländern ein Rückgang zu verzeichnen. In Vorarlberg machte er minus 3,3 Prozent aus, im Burgenland sogar minus 13,7 Prozent. Das zeigen aktuelle Zahlen der Statistik Austria vom Freitag.

Höchste Bezugszahlen in Wien

In Wien betrug das Minus bei den Beziehern 4,7 Prozent. Trotzdem hat die Bundeshauptstadt die höchsten Bezugszahlen. 63 Prozent jener Menschen, die Mindestsicherung bekommen haben (Jahresdurchschnitt 2018), leben dort. Auch bei der Bezugsquote liegt Wien vorn: 7,5 Prozent der Einwohner erhielten Mindestsicherung. Auf dem zweiten Platz kommt Vorarlberg mit 1,9 Prozent, gefolgt von Tirol mit 1,7 Prozent. Weniger als die Hälfte der Bezieher in Österreich (47 Prozent) waren Staatsbürger. 35 Prozent hatten einen Status als Asylberechtigte oder subsidiär Schutzberechtigte. Drei Bundesländer wiesen in diesem Zusammenhang etwas höhere Anteile auf, wie die Statistik Austria aufzeigt: 43 Prozent der Mindestsicherungsbezieher in Vorarlberg waren Asylwerber oder subsidiär Schutzberechtigte, in Tirol lag der Wert bei 42,4 Prozent, ebenso in Kärnten.

Geringste Dauer

Der Großteil der Menschen bezog die Mindestsicherung über ein halbes Jahr: 70 Prozent erhielten österreichweit länger als sechs Monate Unterstützung. 14 Prozent bekamen vier bis sechs Monate, 16 Prozent maximal drei Monate Sozialhilfe. In Wien bezogen mehr als drei Viertel der Personen diese Leistung länger als ein halbes Jahr, im übrigen Österreich waren es maximal zwei Drittel. In Vorarlberg lag die durchschnittliche Bezugsdauer 2018 bei 6,2 Monaten. Im Bundesländervergleich ist das der niedrigste Wert.

Größte Gruppe sind Kinder

Die größte Personengruppe in der Mindestsicherung sind Kinder. Deren Anteil lag im Vorjahr bei rund 36 Prozent. Ein überdurchschnittlich hoher Kinderanteil war in den Bundesländern Tirol (43,6 Prozent) und Oberösterreich (41,2 Prozent) messbar. Für Vorarlberg wurde diesbezüglich keine Zahl in der Statistik ausgewiesen. Hierzulande lebten aber im Verlauf des Jahres 2018 insgesamt 13.180 Personen zumindest einen Monat lang in einer von 5751 Familien, die Mindestsicherung bezogen haben. Österreichweit waren es 310.716 Personen in 172.447 Familien.

70.000 Kinder würden in Österreich in Familien leben, in denen Mindestsicherung bezogen wird, dies seien 36 Prozent, rechnete die Armutskonferenz vor. Dadurch werde die starke Benachteiligung der Kinder deutlich sichtbar. Das Netzwerk aus Sozialeinrichtungen, Selbsthilfegruppen und Hilfsorganisationen Österreichs warnte angesichts geplanter Kürzungen bei der Mindestsicherung: „Unser Ziel muss sein, Existenz und Chancen zu sichern, nicht Leute weiter in den Abgrund zu treiben.“ Die frühere türkis-blaue Bundesregierung hatte eine Neuregelung der Mindestsicherung beschlossen, die wieder „Sozialhilfe“ heißen soll. Ein Grundsatzgesetz legt Höchstgrenzen fest und soll mit 1. Juni 2020 in Kraft treten. Die Länder haben für ihre Ausführungsgesetze bis Jahresende Zeit. Vorarlberg setzte die Neuregelung noch nicht um.