Über 70.000 Menschen auf der Flucht

Politik / 11.10.2019 • 22:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zahlreiche Vertriebene durch türkische Militäroffensive in Syrien.

istanbul Seit Beginn der türkischen Offensive in Nordostsyrien sind nach Angaben humanitärer UN-Organisationen innerhalb von 48 Stunden mehr als 70.000 Menschen vertrieben worden. Die meisten Menschen seien aus den Regionen Ras al-Ain und Tall Abjad geflüchtet, berichtete das UN-Welternährungsprogramm (WFP) am Freitag in Genf. Das UN-Menschenrechtsbüro berichtete über „verstörende Berichte“ von Bodenangriffen türkischer Truppen oder von Gruppen, die dem türkischen Militär nahestünden. Es seien unter anderem die Wasserversorgung, Dämme, Kraftwerke und Ölfelder getroffen worden, sagte ein Sprecher.

Die Türkei verlangt angesichts ihrer umstrittenen Militäroffensive in Syrien von der Nato ein „klares und deutliches“ Bekenntnis der Solidarität. In einer Pressekonferenz mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Freitag: „Im Rahmen des Grundsatzes der Unteilbarkeit der Sicherheit ist es unsere natürlichste und legitimste Erwartung, dass sich unsere Alliierten mit uns solidarisieren.“ Die Offensive, die seit Mittwochnachmittag läuft, richtet sich gegen die kurdische YPG-Miliz, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert. Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation.

Der Natopartner USA hatte mit den YPG-Milizen im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zusammengearbeitet. Der Einmarsch der Türkei in Nordsyrien folgte auf US-Präsident Donald Trumps überraschende Ankündigung, amerikanische Soldaten aus der Grenzregion abzuziehen – was auf große Empörung stieß. Das US-Verteidigungsministerium rief die Türkei am Freitag zum Abbruch der Offensive auf. Die USA lehnten die „unkoordinierten Aktionen“ im Nordosten des Bürgerkriegslandes ab, da sie Fortschritte der internationalen Koalition gegen die IS-Terrormiliz gefährdeten, machte US-Verteidigungsminister Mark T. Esper seinem türkischen Amtskollegen Hulusi Akar in einem Telefonat klar. Schweden sprach sich unterdessen für ein EU-weites Waffenembargo gegen die Türkei aus. 

„Es ist unsere natürlichste Erwartung, dass sich unsere Alliierten mit uns solidarisieren.“