„Überwältigt und sehr glücklich“

Politik / 11.10.2019 • 22:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der 43-jährige Abiy gilt am Horn von Afrika als Reformer. Als sein größter Erfolg gilt das äthiopisch-eritreische Abkommen von 2018. AFP
Der 43-jährige Abiy gilt am Horn von Afrika als Reformer. Als sein größter Erfolg gilt das äthiopisch-eritreische Abkommen von 2018. AFP

Friedensnobelpreis geht an äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed.

oslo Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed erhält in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Er wird für seinen Einsatz für Frieden und internationale Zusammenarbeit und vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem äthiopischen Nachbarland Eritrea ausgezeichnet, wie das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo bekanntgab. Abiy setzte sich damit gegen 300 weitere Nominierte durch, darunter 222 Persönlichkeiten und 78 Organisationen. Viele Friedensforscher und Wettbüros hatten Abiy neben der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg zu den diesjährigen Favoriten gezählt.

„Frieden erreicht man nicht durch die Taten einer einzelnen Person. Abiy Ahmed bekommt den Preis, weil er eine Hand in Richtung von Eritreas Präsidenten Isaias Afwerki ausgestreckt hat“, sagte die Vorsitzende des Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen. Sie machte gleichzeitig klar, dass noch eine Menge Arbeit vor dem Geehrten liege. Auch im Inland müsse er viele verschiedene Bevölkerungsgruppen einen. „Es ist noch ein langer Weg“, sagte Reiss-Andersen.

Friedensschluss mit Eritrea

Der 43 Jahre alte Abiy gilt am Horn von Afrika als Reformer. Er ist seit April 2018 äthiopischer Ministerpräsident, nach Amtsantritt krempelte er sein Land nach Jahren der repressiven Regierungsführung mit Initiativen und Reformen um. Er startete einen Friedensprozess mit Eritrea, setzte sich aber auch im Sudan für einen politischen Wandel ein und vermittelte im Konflikt zwischen Kenia und Somalia. Der bislang größte Erfolg des Politikers ist jedoch der Friedensschluss mit Eritrea. Dass Äthiopien und Eritrea nach langer Zeit zu einem Friedensabkommen gekommen seien, sei eine der großen Errungenschaften des Jahres 2018 gewesen, sagte der Direktor des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri, Dan Smith, der Deutschen Presse-Agentur. „Das hatte sehr mit der Energie zu tun, die Abiy Ahmed dem Prozess gegeben hat, sobald er Ministerpräsident geworden ist.“ UN-Generalsekretär António Guterres erklärte in Kopenhagen, er habe die Ehre gehabt, bei der Unterzeichnung des äthiopisch-eritreischen Abkommens 2018 dabei gewesen zu sein. „Dieser Meilenstein hat neue Möglichkeiten der Region eröffnet, um Sicherheit und Stabilität zu genießen.“

Abiy sieht Ansporn

Für Abiy ist der Nobelpreis nach Angaben seines Büros ein Ansporn für die Fortsetzung seiner Friedensarbeit. „Wir laden alle Äthiopier und Freunde Äthiopiens ein, sich weiter auf die Seite des Friedens zu stellen“, hieß es in einer Erklärung. Der Preis sei auch ein kollektiver Gewinn für die Äthiopier. Abiy selbst sagte nach Angaben des Sekretärs des Nobelkomitees, Olav Njølstad, er sei „überwältigt und sehr glücklich“. Der Geehrte hoffe, der Preis könne ihm dabei helfen, den Frieden in der Region zu stärken, sagte Njølstad dem norwegischen Sender NRK nach einem Telefonat mit Abiy. Das Komitee hatte den Preisträger vor der Bekanntgabe nicht erreichen können.

Alle Auszeichnungen sind mit jeweils neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert und werden am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel, überreicht. Während alle weiteren Preise dann in Stockholm verliehen werden, bekommt ihn der Friedensnobelpreisträger traditionell in Oslo.

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