Die Männer bleiben an der Macht

Politik / 15.10.2019 • 16:30 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Frauen fordern jedes Jahr am 8. März ihre soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Gleichstellung.   APA

Gleichstellungsindex zeigt EU-weiten Nachholbedarf.

Birgit Entner-Gerhold

Wien Frauen sind Männern nicht gleichgestellt. Zu diesem Schluss kommt das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen mit seinem aktuellen Gleichstellungsindex. Demnach befindet sich Österreich im EU-Mittelfeld. Geht es um Macht, hängen Männer Frauen weiterhin ab.

Mit dem Index wird die Gleichstellung nach Punkten beurteilt. 1 ist besonders schlecht, 100 steht für Gleichstellung. Im Durchschnitt kommen die 28 EU-Staaten auf einen Index von 67,4 Punkten. Österreich erreicht 65,3. Spitzenreiter sind Schweden (83,6) und Dänemark (77,5), Schlusslichter Ungarn (51,9) und Griechenland (51,2).

Geht es um Macht, schließen die EU-Staaten mit 51,9 Punkten besonders schlecht ab. Österreich kommt auf 39,9 Punkte. Deutlich wird vor allem die geringe Gleichstellung in der österreichischen Privatwirtschaft. Während der Frauenanteil in Aufsichtsräten auf rund 25 Prozent gestiegen ist, bleibt er in Vorstandsetagen börsennotierter Unternehmen im einstelligen Bereich. In der Politik nahm der Anteil an Ministerinnen hingegen zu, auch die Zahl weiblicher Abgeordneter im Parlament. Trotzdem werden es nur zwei Klubs schaffen, die 40-Prozent-Hürde zu nehmen.

Der Index verdeutlicht außerdem, dass Frauen häufiger in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Sozialwesen arbeiten, Männer hingegen vermehrt im technischen Bereich. Bei Frauen dominieren Teilzeittätigkeiten, bei den Männern sind diese eine Randerscheinung. Die Einkommensschere bleibt weit geöffnet.

Die Grüne EU-Abgeordnete Monika Vana sieht im Index einen schallenden Weckruf. Ihre SPÖ-Kollegin Evelyn Regner fordert von der EU-Kommission einen Gesetzesvorschlag gegen Einkommensunterschiede. Sie kritisiert das Schneckentempo in Sachen Gleichstellung. Der EU-Index von 67,4 Punkten stieg seit 2005 um 5,4 Punkte. Österreich machte mit derzeit 65,3 Punkten im gleichen Zeitraum 5,8 Punkte gut.