Kein Ende der Kämpfe in Nordsyrien

Politik / 15.10.2019 • 22:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Erdogan versprach, IS-Kämpfern nicht die Flucht zu erlauben. AP
Erdogan versprach, IS-Kämpfern nicht die Flucht zu erlauben. AP

Neue Gefechte, obwohl USA Sanktionen verhängten.

damaskus Trotz der US-Forderung nach einer sofortigen Waffenruhe und Sanktionen liefern sich die türkischen Truppen in Nordsyrien weiter erbitterte Kämpfe mit der Kurdenmiliz YPG. Die von der YPG geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) hätten einen Gegenangriff begonnen und die wichtige Grenzstadt Ras al-Ain zurückerobert, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag. Kurdische Quellen bestätigten das. Die Kurdenmilizen hätten auch das nahe gelegene Dorf Tall Halaf am Stadtrand von Ras al-Ain eingenommen. Eine Bestätigung aus Ankara gab es nicht. In der Stadt Manbij wurden offiziellen Angaben zufolge ein türkischer Soldat getötet und 18 weitere verletzt. Laut UN-Organisation für Migration (IOM) sind bereits mindestens 190.000 Menschen vor den Kämpfen geflohen.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die Türkei  zu einem Ende der Militäroffensive auf. Der Einsatz bringe „erkennbar sehr viel menschliches Leid mit sich“ und führe mit Blick auf die Terrormiliz Islamischer Staat zu neuer Unsicherheit. Nach anderen europäischen Ländern erklärte auch Großbritannien, es würden vorerst keine Waffen mehr an die Türkei geliefert, die für die Militär­offensive genutzt werden könnten. Die Türkei hatte den Einsatz am vergangenen Mittwoch begonnen. Ankara betrachtet die Kurdenmiliz YPG sowie deren politischen Arm PYD als Terrororganisationen. Präsident Recep Tayyip Erdogan trat internationalen Sorgen entgegen, dass die Offensive gefangenen IS-Kämpfern die Flucht erlauben werde. „Wir werden sicherstellen, das kein Kämpfer des IS den Nordosten Syriens verlassen kann“, versicherte Erdogan in einem Kommentar im „Wall Street Journal“.

Am Montag waren auch syrische Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad in dem kurdisch kontrollierten Norden des Landes eingetroffen. Sie werden von Russland unterstützt. Die USA verhängten Sanktionen gegen türkische Minister und forderten eine sofortige Waffenruhe. US-Präsident Donald Trump will seinen Vize Mike Pence so bald wie möglich zur Vermittlung zwischen den Kurden und den Türken nach Ankara schicken. Dabei hatte der Präsident mit dem Abzug von US-Truppen aus der Region faktisch den Weg für die Offensive frei gemacht.