Julia Ortner

Kommentar

Julia Ortner

Strache: Mit der „Krone“ rauf und wieder runter

Politik / 15.10.2019 • 06:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das Land liegt im Sondierungsmodus, der politmediale Betrieb zuckelt vor sich hin, nur manche spielen engagiert ihr eigenes Match. Die „Kronen Zeitung“ gegen die Straches  – das ist jenes Spiel, dass jetzt alle beobachten können: Die Verbrüderung zwischen Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und der größten Tageszeitung des Landes endete bekanntermaßen wegen seiner Verscherbelungsfantasien für die „Krone“ im Ibiza-Video.  

Dieses Spiel erzählt viel über Österreich. Und über die „Krone“, die vor allem daran interessiert ist, dass es der „Krone“ gut geht – Demokratie ist schön, aber ein funktionierendes Geschäftsmodell ist schöner. Das Rauf- und Runterschreiben von Politikmenschen ist leider beliebt, das machen andere Medien auch, ihnen fehlt teilweise nur die Schlagkraft. Wenn die „Krone“ am Samstag „Im Spesensumpf“ auf ihr Titelblatt schreibt und darunter das Ehepaar Strache zeigt oder gleich am Sonntag mit einer Geschichte über die Straches („Gierig, maßlos, abgestürzt“) nachlegt, dann weiß man: Diese Kampagne hat erst so richtig begonnen.

Natürlich kann man befinden: Geschieht Strache recht, er war nie ein Politiker, den Skrupel geplagt hätten, wenn er im Angriffsmodus war. Und es ist verständlich, dass gerade Menschen, die zu den diversen Feindbildern der FPÖ gehören, nun Genugtuung über die „Krone“-Vendetta empfinden mögen. Außerdem gilt für große Boulevardblätter erfahrungsgemäß das „Prinzip Bild“, das der Axel-Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner 2006 so beschrieb: „Wer mit der Bild-Zeitung im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“

Das Doppelspiel FPÖ -„Krone“

Dennoch sollte man nicht ausblenden, dass es ein jahrelanges Doppelspiel zwischen dem FPÖ-Chef und der „Krone“ gab, eine intensive Beziehung – mit Befeuerung der Freiheitlichen und der Reichweite. „Krone“-Online-Chefredakteur Richard Schmitt, Vertrauensmann der FPÖ, der nach dem Ibiza-Skandal das Haus verließ, erklärte einmal im Magazin „Fleisch“, wie das mediale Wechselspiel mit Straches Facebook-Account funktionierte: „Wenn Strache einen normalen Bericht von uns auf Facebook teilt, dann merken wir, das haut die Quote auf das 1,5-Fache hoch. Und umgekehrt kriegt er natürlich auch mehr Traffic, wenn wir ihn pushen.“ Beide Seiten profitierten – heute will das Blatt nichts mehr davon wissen.

„Krone“ und Strache profitierten von ihrem Doppelspiel – heute will das Blatt nichts mehr davon wissen.

Man stelle sich vor, die „Kronen Zeitung“ würde ihr gutes Gespür für Meinungen in der Bevölkerung und ihre Macht tatsächlich mehr für demokratiepolitisch wichtige Anliegen nutzen (wie jetzt schon teilweise für den Klimaschutz) und weniger für Feldzüge gegen Gefallene und andere Unliebsame – das wäre jedenfalls eine Verbesserung der politmedialen Kultur im Land.