VN-Hintergrund: Assad tritt Türken in Rojava entgegen

Politik / 15.10.2019 • 10:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Syrische Truppen näherten sich der Grenze zur Türkei.  AFP

Russen zwischen ihm und Erdogan in der Zerreißprobe.

Heinz Gstrein

damaskus Im Nordosten Syriens geht die türkische Invasion weiter. Den Vormarsch können die lokalen „Volks-Schutzwehren“ (YPG) als Verteidiger kaum verzögern. Umso willkommener ist ihnen jetzt das Eingreifen syrischer Regierungstruppen. Die Kurden jubeln den Soldaten von Baschar al-Assad zu. Insgesamt macht das Eingreifen von Damaskus die Gesamtlage komplizierter und vor allem kritischer. Zu viel gegensätzliche regionale und internationale Interessen überschneiden sich auf dem kleinen Raum von Rojava, dem syrischen Kurdistan.

Die Kurden haben das im Bürgerkrieg von ihnen auf Distanz gehaltene Assad-Regime jetzt doch zu Hilfe gerufen. Von all den widersprüchlichen Losungen von US-Präsident Donald Trump zur Konfliktbewältigung war die Aufforderung zur Übergabe des von Ankara geforderten Grenzlandes am meisten enttäuschend. Es handle sich um einen amerikanischen Räumungsbefehl. Da sei von Damaskus und seinen russischen Hintermännern noch Besseres zu erwarten.

In der von Ankara geforderten Zone liegen die wichtigsten Städte und Verkehrsverbindungen der Kurdenregion, so die parallel zur alten Bagdadbahn verlaufende Fernstraße M4, die Hauptverbindung vom Mittelmeer nach Bagdad und Teheran. Zu ihrem Schutz sind die syrischen Regierungsverbände vor allem angetreten, um sich den Weg zu Assads iranischen Verbündeten nicht von den Türken abschneiden zu lassen. Schon jetzt markieren neben brennenden Kurdendörfern zerstörte Kirchen der nordsyrischen Christen den bisherigen türkischen Siegeszug. Aus Tell al-Abiad ruft der orthodoxe Bischof Dimitri von Safita die christliche Welt um Hilfe: „Wir wissen, die Mörder unserer Großeltern sind auch unsere Feinde.“ Er erinnert damit an den Genozid an Armeniern und anderen Christen durch die Jungtürken im Ersten Weltkrieg. Die Sorge des Westens gilt hauptsächlich der Gefahr eines Wiederauflebens des IS-Terrors. Aus den Gefängnissen sind bereits viele IS-Terroristen entkommen, im Lager Al-Hol proben an die 70.000 Personen den Aufstand. Dort sind nicht nur Europäerinnen interniert, die um Rückkehr in ihre Heimatländer bitten. Die Masse besteht aus jetzt erst recht radikalisierten Frauen der Islamischen Revolution.