Verdacht gegen Österreicher erhärtet sich

Politik / 16.10.2019 • 22:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Wiener (58) wegen Freiheitsberaubung in Haft. Bisher nur wenige gesicherte Informationen um isolierte Familie.

Ruinerwold Ein im Fall einer isoliert lebenden Familie auf einem Bauernhof in Ruinerwold in den Niederlanden festgenommener 58-jähriger Österreicher wird der Freiheitsberaubung verdächtigt. Das teilte die niederländische Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit.

Er hatte ein Haus in Ruinerwold in der Provinz Drenthe gemietet, in dem ein Mann und seine Kinder mehrere Jahre in einem kleinen Raum gehaust haben sollen. Der Wiener war am Dienstag festgenommen worden. Heute ist seine Haftverhandlung angesetzt. Laut österreichischem Außenministerium will der 58-Jährige keinen Kontakt mit den heimischen Behörden. „Er wünscht keinen Kontakt zur österreichischen Botschaft in Den Haag und will keine konsularische Hilfe“, sagte Außenministeriumssprecher Peter Guschelbauer. Die Behörden warten nun die Ermittlungen in den Niederlanden ab. Aber aufgrund seiner Ablehnung von Hilfe werden aus Datenschutzgründen keine weiteren Details bekannt gegeben. Bei dem Festgenommenen handelt es sich um einen gebürtigen Wiener, der 2010 von Oberösterreich (Bezirk Perg) in die Niederlande ausgewandert ist, wie APA-Recherchen ergaben.

Österreicher lebte nicht am Hof

Vor neun Jahren hat sich der 58-Jährige dann in Ruinerwold in der Provinz Drenthe niedergelassen und den Bauernhof angemietet. Er dürfte in der Gegend auch als Tischler gearbeitet haben. Wie er die Familie kennengelernt hat und warum die Kinder und der Vater in dem von ihm angemieteten Gebäude wohnten, ist unklar. Der Österreicher selbst dürfte nämlich nicht dort gelebt haben. Nach Angaben der dpa kam er nur regelmäßig vorbei und hat Reparaturarbeiten erledigt.

Die Mutter dürfte bereits 2004 gestorben sein, seitdem kümmerten sich die Kinder auch um den Vater, der zuletzt bettlägerig war. Am Montag ging schließlich der älteste Sohn in ein Lokal und berichtete dem Wirt, dass er weggelaufen sei, Hilfe brauche und nicht mehr nach Hause könne. Der 25-Jährige habe auch geschildert, dass er neun Jahre lang nicht mehr draußen gewesen sei. Daraufhin hatte der Gastwirt die Polizei eingeschaltet.

Als die Beamten am Bauernhof ankamen, fanden sie sechs Menschen – die Kinder im Alter von 18 bis 25 Jahren und den bettlägerigen Vater – in einem abschließbaren Raum. Die Familienmitglieder sind niederländische Staatsbürger, waren aber in Ruinerwold nicht gemeldet. Das könnte erklären, warum die Kinder nicht in der Schule vermisst wurden.

Der 25-Jährige hat scheinbar aus der Isolation ausbrechen wollen. Er war bereits zuvor in dem Wirtshaus und auch seit geraumer Zeit wieder in sozialen Netzwerken unterwegs. Nachdem er vor neun Jahren zuletzt online war, hatte er seit dem Frühjahr mehrere Profile unter dem Vornamen Jan. Er stellte hauptsächlich Baumfotos online und teilte Klimaschutz-Berichte.

Nicht der Vater der Kinder

Bürgermeister Roger de Groot bestätigte gegenüber Reuters, dass es sich bei dem Österreicher nicht um den Vater der Kinder handelt. Aber welche Rolle der 58-Jährige hatte, ist nach wie vor unklar. „Der Mann ist in Gewahrsam und wird nun befragt“, erklärte Polizeisprecherin Grietje Hartstra. „Es ist noch vieles unklar und wir ermitteln nun, was dort geschehen ist.“ Eine Sondergruppe mit 25 Beamten soll den Fall aufklären. Die Behörde bestätigte nicht, dass die Familie einer Sekte angehört haben soll.

Dorfbewohner zeigten sich geschockt. Sie sagten Reportern, dass sie bei dem Hof immer nur einen Mann gesehen hatten. Von einer Gruppe hätten sie nichts gewusst.

Die Ermittlungen der Polizei laufen auf dem Hof, der versteckt hinter Bäumen und etwa 200 Meter vom Rande des Dorfes entfernt liegt, auf Hochtouren. Eine Sondergruppe mit 25 Beamten soll den Fall aufklären. Reuters, AFP
Die Ermittlungen der Polizei laufen auf dem Hof, der versteckt hinter Bäumen und etwa 200 Meter vom Rande des Dorfes entfernt liegt, auf Hochtouren. Eine Sondergruppe mit 25 Beamten soll den Fall aufklären. Reuters, AFP