Hinter den Kulissen: Irritationen und Optimisten

Politik / 18.10.2019 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bludenzer Stadtchef Mandi Katzenmayer (l.) schwört Simon Tschann offenbar auf sein Erbe ein.

Politik, Personen und Parteien: Die VN beleuchten in ihrer wöchentlichen Rubrik Hintergründe.

Zoff bei Werbern Von Misstrauen, Unverfrorenheit, Funktionsmissbrauch und Vertrauensbruch ist in der Fachgruppe Werbung in der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV) bei Präsident Hans Peter Metzler (54) die Rede. Der Grund: Fachgruppenchef Gerhard Hofer (64), Vertreter der Grünen Wirtschaft, hatte im Namen der Werber fünf Tage vor der LT-Wahl einen Stopp der menschenverachtenden Werbung durch Plakate der Freiheitlichen gefordert. Die Slogans würden den guten Sitten widersprechen. Weil Hofer die Aussendung weder in Absprache mit Vizeobmann Martin Dechant (41) noch Geschäftsführerin Sibylle Drexel (35) oder dem elfköpfigen Ausschuss der Fachgruppe und gegen den Willen von WKV-Pressestellenleiter Herbert Motter (47) im Namen der Fachgruppe von seinem privaten E-Mail-Account versandt hatte, herrscht Feuer am Dach. In Wirtschaftskammer und Fachgruppe wirft man Hofer nun vor, „eine parteipolitisch motivierte Attacke“ gegen die Blauen geritten und aktiv in den Wahlkampf eingegriffen zu haben.

NACHTWAHLKÄMPFER In der Alpenstadt Bludenz ticken die Uhren der Politiker offenbar schneller: Bereits am Abend des Wahlsonntags stellten die Bludenzer Schwarzen die Weichen für die Gemeindewahl im März 2020. „Nach der Wahl ist vor der Wahl“ lautet der Slogan über einem Bild, das Noch-Stadtchef Mandi Katzenmayer (68, VP) und Bürgermeisterkandidat Simon Tschann (27, VP) als dicke Freunde in sozialen Medien zeigt. Als Nachtwahlkämpfer hatten sich Tage zuvor Landesrat Christian Gantner (39, VP), der Bludenzer Stadtrat Christoph Thoma (46, VP) sowie Landesbäuerin Andrea Schwarzmann (54, VP) und Harald Witwer (42, VP) ins Zeug geworfen. Das schwarze Quartett stattete Bäckereien wie Fuchs oder Begle in Bludenz und Stuchly in Thüringen um 4 Uhr früh einen Besuch ab und versuchte, in Backstuben letzte Wähler zu überzeugen.

Von wegen Basis Dass ausgerechnet bei den Pinken mit Sabine Scheffknecht (41, Neos) Vorzugsstimmen für Fabienne Lackner (21, Neos) mit Ignoranz begegnet wird, sorgt nicht nur in den eigenen Reihen für Debatten. Lackner, die im Wahlkampf offenbar engagiert und fleißig Türklinken putzte und dafür in den Bezirken Feldkirch und Bregenz Mitbewerber wie Gerfried Thür (46) deutlich hinter sich ließ, musste sich Parteipräferenzen beugen und auf den Einzug ins Landesparlament verzichten. Schlussendlich musste die Junos-Chefin nämlich Thür den Einzug überlassen. „Was bleibt, ist ein schaler Beigeschmack“, erklärt eine pinke Funktionärin, die ihren Namen freilich nicht in der Zeitung lesen will.