Ritsch verzichtet zugunsten Staudingers auf SP-Klubchef

Politik / 18.10.2019 • 18:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Michael Ritsch (re.) macht den Sessel des künftigen Klubobmannes im Landesparlament für Parteichef Martin Staudinger frei. VN
Michael Ritsch (re.) macht den Sessel des künftigen Klubobmannes im Landesparlament für Parteichef Martin Staudinger frei. VN

Michael Ritsch will für Parteichef Martin Staudinger den Sessel des Klubchefs im Landesparlament räumen, sich als Abgeordneter engagieren und in Bregenz das Bürgermeisteramt erobern.

Bregenz Nach Urnengängen kommt es naturgemäß zur Umverteilung von Macht. So auch bei den Vorarlberger Sozialdemokraten, wo Parteichef Martin Staudinger bekanntlich noch am Wahlsonntag Anspruch auf den mit rund 8200 Euro Monatsbrutto gut dotierten Klubchefsessel erhob (die VN berichteten). Michael Ritsch, der seit zwölf Jahren diese Funktion ausübt, hätte die Funktion gerne weiter ausgeübt. Nachdem die Vergabe des Job laut Parteistatut durch die sechs Klubmitglieder erfolgt, drohte den Genossen eine Kampfabstimmung zwischen Ritsch und Staudinger, deren Ausgang am 28. Oktober als ungewiss galt.

Herbe Kritik an Martin Staudinger

Jetzt zieht Ritsch die Reißleine und hat es sich anders überlegt. Er will offenbar die Partei, die bei den LT-Wahlen ein Mandat dazugewann und nun mit vier Volksvertretern im Landtag präsent ist, vor einer Zerreißprobe schützen. Ritsch wird weder Klubchef noch Vizeklubchef. „Es ist ein normaler Ablauf, dass ein Parteichef den Anspruch stellen kann. Ich hatte dies 2007 selbst aufgefordert, weil die Kombination sinnvoll ist“, sagte Ritsch im VN-Gespräch. Dass ihn die öffentliche und nicht abgesprochene Ankündigung durch Staudinger verärgert hat, lässt er deutlich durchblicken: „Es war alles andere als angenehm, über Medien im Urlaub davon zu erfahren. Das hätte ich mir nach zwölf Jahren in dieser Position anders erwartet. Die Art und Weise, wie man mit Menschen umgeht, muss jeder selbst verantworten. Ich liebte den Job und hätte ihn gerne weiter ausgeübt. Politik bleibt ein wichtiger Teil meines Lebens.“

Zugewinne als Auftrag für Bregenz

Ungeachtet dessen werde er sich „mit demselben Elan wie bisher an der parlamentarischen Arbeit beteiligen“. Falls gewünscht, werde er sich weiterhin als Obmann des Volksanwaltsauschusses engagieren. Darüber hinaus ist für ihn das vierte hinzugewonnene Mandat in seiner Heimatstadt ein Auftrag. „In Bregenz ist nach 22 Jahren Markus Linhart Zeit für einen Wechsel. Diese Stimmung spüre ich sehr stark. Wir haben vor einem Jahr mit der Kampagne #michi2020 begonnen, die unter anderem 40 neue Kandidaten und viele spannende Ideen und Pläne für die Landeshauptstadt gebracht hat.“ Linhart werde sich im Gemeindewahlkampf jedenfalls warm anziehen müssen, sagt Ritsch. „Wir treten als neue Bürgerbewegung an. Bregenz braucht einen neuen Bürgermeister.“

„Die Art und Weise, wie man mit Menschen umgeht, muss jeder selbst verantworten.“

Michael Ritsch, Noch-Klubobmann, SP