Zum letzten Mal heißt es: „Ordeeer“

Politik / 30.10.2019 • 22:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der „Speaker of the House of Commons“ hat nach über zehn Jahren genug von seiner Position im britischen Unterhaus. AFP/UK Parliament
Der „Speaker of the House of Commons“ hat nach über zehn Jahren genug von seiner Position im britischen Unterhaus. AFP/UK Parliament

Prominent durch Brexit: Unterhaus-Präsident Bercow geht.

london Seine „Ordeeer“-Rufe werden fehlen. John Bercow hat sich mitten im Brexit-Streit nicht nur mit seiner markanten Stimme zur großen Kultfigur gemausert. Am Donnerstag ist sein letzter Tag als Präsident des britischen Unterhauses; er hat nach über zehn Jahren genug. Irgendwann sei mal Schluss. Er habe es seiner Familie – seiner Frau Sally und den drei Kindern – versprochen, sagte der umtriebige „Speaker of the House of Commons“.

An Bercow scheiden sich die Geister: Die einen lieben ihn über alles und loben seine Art, das Unterhaus in die richtigen Bahnen zu lenken, wenn es wieder mal so richtig hoch hergeht.  Die anderen halten ihn für einen viel zu europafreundlichen Politiker, der sogar eine mehr als 400 Jahre alte Regel herauskramte, um eine Entscheidung zum Brexit-Abkommen der früheren Premierministerin Theresa May zu begründen. Als Speaker leitet Bercow die Debatten im Unterhaus und passt unter anderem auf, dass die Parlamentarier nicht gegen Regeln verstoßen.

Trump nicht empfangen

Auch die ganz Großen machten Bercow keine Angst, jedenfalls nicht erkennbar. So bekam er denn auch viel Beifall für seine Ankündigung, Donald Trump bei einem Staatsbesuch nicht im Parlament zu empfangen. Indirekt warf er dem US-Präsidenten Rassismus und Sexismus vor.

Nur bei seiner Rücktrittsankündigung wirkte Bercow emotional: „Während meiner Zeit als Sprecher habe ich versucht, die relative Autorität des Parlaments zu erhöhen, wofür ich mich absolut bei niemandem, nirgendwo, zu keiner Zeit entschuldigen werde.“ Doch es gab auch immer wieder massive Vorwürfe von Ex-Mitarbeitern und Kollegen. Sein Ex-Privatsekretär Angus Sinclair etwa behauptete, Bercow habe ihn vor anderen Mitarbeitern angeschrien. Außerdem soll er mehrere Parlamentarierinnen beleidigt haben.

Am Montag soll Bercows Nachfolge gewählt werden. Abgeordnete fragten, ob er wegen der Neuwahl nicht noch ein paar Tage länger sein Amt ausüben könne. Das sei nicht sein Bestreben, so der Präsident. Ganz ausschließen wollte er es aber nicht. Seine Sprecherin betonte: „Bisher bleibt es beim Plan.“ Da die Regierung von Premierminister Boris Johnson keine Mehrheit im Unterhaus hat, dürfte sie wohl wieder mit einem für sie unangenehmen Präsidenten konfrontiert werden.

„Ich habe versucht, die relative Autorität des Parlaments zu erhöhen.“