Mut wagen

Politik / 03.11.2019 • 22:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Verblendete und/oder fakten-averse Regierungspolitiker in diversen Gegenden stiften derzeit allerlei Unheil, und viele Mitglieder des „gemeinen Volkes“ sind einverstanden.

In den USA bringt ein Präsident sein Land und die Weltgemeinschaft sozial, moralisch, wirtschaftlich und auch sicherheitspolitisch durcheinander, und seine Anhänger jubeln unverdrossen. In Großbritannien will ein Premier­minister eine faktisch Frieden garantierende Europäische Union zerbröseln. Ein türkischer Regierungschef organisiert in Syrien einen neuen Krieg im Nahen Osten. Und angesichts einer weltweit drohenden Umweltkrise lavieren Regierende mit nichts lösenden Placebo-Sprüchen.

Dabei gibt es in der Weltgeschichte heroische Gewaltanstrengungen zur Verbesserung der menschlichen Lebens- und Überlebensbedingungen.

Vor rund 100 Jahren erhielten Frauen – endlich und immer noch nicht überall – das aktive und passive Wahlrecht. Gegen viele erbitterte Widerstände wurden (bis auf einige Restregionen) Sklaverei und diverse Formen von Leibeigenschaft abgeschafft. Als Antwort auf die Schrecken des 1. Weltkrieges sollte 1920 die Gründung des „Völkerbundes“ mit zuerst 42 Mitgliedsländern für die weltweite Friedenssicherung sorgen.

Dies erwies sich mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges als Fehlschlag. Die Lehren daraus sollte die schon im Juni 1945 gegründete UNO ziehen. Die erwarb sich große Verdienste bei der Entkolonialisierung in Afrika und Asien, konnte die Kriege in Vietnam, Afghanistan und am Golf aber nicht abwenden.

1951 rückten zur De-facto-Kriegsverhinderung sechs europäische Staaten mit der Gründung der „Montanunion“ näher zusammen. 1957 folgte darauf die Gründung der EWG mit diesen sechs Mitgliedern. 1973 trat der später EU genannten Vereinigung neben anderen Staaten auch Großbritannien bei. Österreich folgte 1995.

All diese Entscheidungen kamen gegen den erbitterten Widerstand diverser politischer Kräfte, Bewegungen und zahlreicher Gruppen in den beteiligten Ländern zustande. Mutige Politiker setzten ihre Visionen der Humanität, der Gerechtigkeit, der Sicherung der zukünftigen Lebensfähigkeit und des Friedenserhalts entschlossen und oft auch unter persönlichen Opfern durch. Die nicht immer dankbaren Nutznießer sind die Mitglieder der lebenden Generationen.

Und jetzt? Wo ist der Mut vieler der gegenwärtig zaudernden, Frieden, Sicherheit und Wohlstand gefährdenden und populistisch Lügen verbreitenden Politiker in den USA, Europa und anderswo?

Es gibt Beispiele des Besseren in der Vergangenheit. Die Politiker, die besorgten „Normalmenschen“ und die Claqueure der Untätigen müssen nur hinsehen und handeln. Es ist höchste Zeit.

„Vor rund 100 Jahren erhielten Frauen – endlich und immer noch nicht überall – das aktive und passive Wahlrecht.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at