Hoyle folgt Bercow als Präsident des britischen Unterhauses

Politik / 04.11.2019 • 22:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Lindsay Hoyle ist der neue „Speaker“ im britischen Parlament. reuters
Lindsay Hoyle ist der neue „Speaker“ im britischen Parlament. reuters

london Lindsay Hoyle ist am Montag zum neuen Präsidenten des britischen Unterhauses gewählt worden. Der Labour-Abgeordnete setzte sich am Abend im vierten Wahlgang mit 325 Stimmen gegen seinen Parteifreund Chris Bryant durch. „Ich werde neutral sein, ich werde transparent sein“, gelobte der 62 Jahre alte Politiker. Der neue „Speaker of the House of Commons“ wurde von seinen Kollegen zu seinem Stuhl gezerrt – eine Tradition aus früheren Jahrhunderten, als der Unterhauspräsident nicht selten in der Auseinandersetzung mit der Krone auf dem Schafott landete. Hoyle ließ sich willig zu seinem neuen Platz geleiten.

Das Parlament werde sich zum Besseren verändern, kündigte der Sozialdemokrat an. Er werde wieder dafür sorgen, dass Respekt und Toleranz gegenüber jedem gezeigt werde, der im Parlament arbeite –ein wenig versteckter Seitenhieb an seinen Vorgänger John Bercow, der immer wieder wegen seiner ruppigen Art des Auftretens in die Kritik geraten war.

Bercow hatte vergangene Woche nach zehn Jahren das Amt abgegeben, nur kurz bevor das Parlament für die vorgezogene Wahl am 12. Dezember aufgelöst wird. Dadurch wurde die Auswahl des neuen Speakers ungewöhnlicherweise am Ende statt zu Beginn einer Legislaturperiode getroffen.

Als einer der ersten gratulierte Premierminister Boris Johnson dem neu gewählten Unterhauspräsidenten: „Ich stelle fest, dass Sie sich gegen ein extrem starkes Bewerberfeld durchgesetzt haben.“

Der Parlamentspräsident hat eine zentrale Rolle im Unterhaus inne. Er erteilt und entzieht Abgeordneten das Wort, entscheidet über die Zulässigkeit von Anträgen und vertritt die Kammer unter anderem gegenüber der Königin und dem Oberhaus (House of Lords). Bereits in der Nacht zum Mittwoch soll das Parlament aufgelöst werden für die anstehende Neuwahl am 12. Dezember. Dann muss auch der „Speaker“ im Amt bestätigt werden; nach den Parlamentswahlen 2015 und 2017 geschah dies jeweils ohne Wahl.