Iran bewegt sich weiter von Atomdeal weg

Politik / 04.11.2019 • 22:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Anlässlich des 40. Jahrestages der Besetzung der US-Botschaft wurden in Teheran US-Flaggen angezündet. reuters
Anlässlich des 40. Jahrestages der Besetzung der US-Botschaft wurden in Teheran US-Flaggen angezündet. reuters

Verpflichtungen nach US-Sanktionen ausgesetzt.

teheran Nach neuen Sanktionen der USA hat der Iran einen weiteren Schritt zur Abkehr vom internationalen Atomabkommen vollzogen. Der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi, verkündete am Montag eine weitere Erhöhung der Produktion angereicherten Urans sowie die Entwicklung zweier neuartiger Zentrifugen zur Urananreicherung. Salehi sagte bei einem Besuch in der Atomforschungsanlage in Natanz laut Staatsfernsehen, sein Land produziere nun täglich fünf Kilogramm angereicherten Urans, was einer Steigerung um das Zehnfache gegenüber der noch vor zwei Monaten produzierten Menge entspricht.

Innerhalb von zwei Monaten habe sein Land zudem Prototypen zweier neuartiger Zentrifugen entwickelt, ergänzte Salehi. Das Staatsfernsehen zeigte, wie der Chef der iranischen Atomenergiebehörde eine neue Kaskade mit 30 Zentrifugen vom Typ IR-6 in Betrieb nahm. Diese Zentrifugen ermöglichen dem Iran, den Vorrat an schwach angereichertem Uran deutlich aufzustocken.

„Wir müssen auch dem Feind danken, dass er uns diese Möglichkeit gegeben hat, die Kraft der Islamischen Republik unter Beweis zu stellen, besonders in der Atomindustrie“, sagte Salehi mit Blick auf die Sanktionspolitik der USA. Die USA hatten in der vergangenen Woche die Strafmaßnahmen gegen den Iran ausgeweitet, um nach Angaben des US-Außenamts das Risiko einzudämmen, dass der Iran Atomwaffen entwickeln könne. Unter Präsident Donald Trump hatten sich die USA im Mai 2018 aus dem Atomabkommen zurückgezogen. Der Iran fühlt sich deshalb nicht mehr an die Vereinbarungen zur Begrenzung seiner nuklearen Kapazitäten gebunden und verletzt schrittweise die Auflagen des Abkommens.

Tausende bei Protestkundgebung

Unterdessen beging der Iran am Montag den 40. Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft in Teheran. Tausende Menschen nahmen dabei an einer Protestkundgebung gegen die USA in der Hauptstadt teil. Iranische Studenten hatten die US-Botschaft am 4. November 1979 besetzt, um gegen die Aufnahme des gestürzten Schahs Reza Pahlavi in den USA zu demonstrieren. Die als Geisel genommenen US-Botschaftsangehörigen kamen erst nach 444 Tagen frei. Wegen der Botschaftsbesetzung brachen die USA die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab, die auch vier Jahrzehnte später noch immer nicht wieder aufgenommen wurden. Beide Staaten bleiben verfeindet.