Sondierungsmarathon abgeschlossen

Politik / 08.11.2019 • 22:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Am Freitagabend wurden die letzten Sondierungsgespräche beendet. Wie es weiter geht, zeigt sich in den nächsten Tagen. APA/FOHRINGER

ÖVP und Grüne müssen nun über mögliche Koalitionsgespräche entscheiden.

Wien Nach mehr als zehn Stunden ist am Freitagabend die letzte Sondierungsrunde zwischen ÖVP und Grünen zu Ende gegangen. Eine Festlegung, ob man nun Koalitionsverhandlungen aufnehmen werde, gab es danach weder von ÖVP-Chef Sebastian Kurz, noch vom Grünen Werner Kogler. Beide Seiten wollen nun intern beraten. Die Grünen werden sich am Sonntag deklarieren, die ÖVP voraussichtlich am Montag.

„Auf zehn Jahre anlegen“

Als erster kam Kogler mit seinem Team die Treppe von den Verhandlungsräumen im Winterpalais von Prinz Eugen herunter. Er zeigte sich zurückhaltend und sichtlich bemüht, keine Präferenz pro oder contra Koalitionsverhandlungen durchschimmern zu lassen. Bevor der erweiterte Bundesvorstand der Grünen am Sonntag ab 12 Uhr darüber entscheidet, werde man am Samstag intern beraten und das eine oder andere Telefonat führen, sagte er. Bekannt geben werde man das Ergebnis am Sonntagnachmittag in einer Pressekonferenz.

 „Ja, wir werden eine Empfehlung abgeben. Aber ich werde nicht verraten, welche", lässt sich der Grünen-Chef Werner Kogler nicht in die Karten blicken. APA/Fohringer
„Ja, wir werden eine Empfehlung abgeben. Aber ich werde nicht verraten, welche“, lässt sich der Grünen-Chef Werner Kogler nicht in die Karten blicken. APA/Fohringer

„Ja, wir werden gemeinsam was empfehlen“, sagte er auf die Frage, womit er in seine Gremiensitzung gehen werde. Was, „werde ich nicht verraten“, es müsse jedenfalls tragfähig sein. Aus grüner Sicht wäre es laut Kogler sinnvoll, wenn man ein solches Projekt nicht nur auf eine Legislaturperiode, sondern auf zehn Jahre, also zwei Perioden, auslege. Zur prozentuellen Wahrscheinlichkeit für ein Ja wollte er sich nicht äußern. „Das habe ich mir abgewöhnt. Ich bin schon einmal falsch zitiert worden.“

Türkise Entscheidung am Montag

Wenig später stellte sich Kurz mit seinem Team den Medien, und auch er ließ noch alles offen. Man woll nun die Zeit nutzen, die unterschiedlichen Eindrücke Revue passieren zu lassen. Er wolle mit Bünde- und Ländervertretern reden, auch Gremienbesprechungen solle es noch geben. Er habe sich noch nie vor der Verantwortung gedrückt, betonte Kurz, die Bekanntgabe der Entscheidung, mit wem Koalitionsverhandlungen aufgenommen werden sollen, kündigte er dennoch erst für Montag an. Ein Vorstandsbeschluss ist bei der Volkspartei nicht notwendig.

 „Egal, mit wem wir verhandeln werden, das wird jedenfalls herausfordernd". Auch Sebastian Kurz, Obmann der ÖVP gibt sich bedeckt. APA/Fohringer
„Egal, mit wem wir verhandeln werden, das wird jedenfalls herausfordernd“. Auch Sebastian Kurz, Obmann der ÖVP gibt sich bedeckt. APA/Fohringer

Nicht kommentieren wollte er Koglers Zehn-Jahres-Ansage. Klar sei aber, dass nun erst die Phase der Verhandlungen bevorstehe. „Das wird intensiv, egal mit welcher Partei“, betonte der ÖVP-Obmann, der auf deutliche programmatische Unterschiede zu SPÖ, Grünen und Neos, die sich anders als die FPÖ zu Verhandlungen bereit gezeigt hatten, hinwies. „Egal, wie wir uns entscheiden, das wird herausfordernd werden“, fällt das Fazit von Kurz aus.