„Doppelmühle für die Jungen“

Politik / 01.12.2019 • 22:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Wirtschaftsforscher appelliert an Politik, nicht auf „Millennials“-Generation zu vergessen.

WIEN „Zu spät zur Party – Warum eine ganze Generation den Anschluss verpasst“, lautet der Titel eines Buches, das der stellvertretende Chef der wirtschaftsliberalen Denkfabrik „Agenda Austria“, Lukas Sustala, gerade fertigstellt und das Ende Jänner erscheinen wird. Passend zur Regierungsbildung sozusagen: Im Zentrum stehen die „Millennials“, also 20- bis 35-Jährige. Sie sind erstens krisengebeutelt und haben zweitens eine hürdenvolle Zukunft vor sich. Umso mehr sollten sie von der Politik beachtet werden, wie Sustala, selbst 33, im Gespräch mit den VN erläutert: „Wenn man sich Zukunftsorientierung auf die Fahnen heften möchte, muss man Dinge tun, die gerade auch Jüngeren nützen.“

Widrige Startverhältnisse

Der Berufseinstieg vieler „Millennials“ fiel mitten in die Finanz- und Wirtschaftskrise Ende der 2000er Jahre. Das waren widrige Startverhältnisse, Karrieren sind blockiert worden. Heute sind die jungen Frauen und Männer mit relativ hohen Wohnkosten konfrontiert, die es ihnen kaum bis gar nicht möglich machen, Eigentum zu bilden. In den nächsten Jahren werden sie eine steigende Pensionslast zu bewältigen haben und, als wäre dies nicht genug, den Klimawandel.

Ob die Politik alldem gerecht wird? Sustala hat die große Sorge, dass sie aufgrund der Wählerschaft zunehmend auf die Jüngeren vergisst: „42 Prozent der Wahlberechtigten sind 55 und älter“, sagt er: „Nur noch jeder Vierte ist unter 35 Jahren.“ Mit ihnen gewinnen ÖVP, SPÖ und Co. eher keine Wahlen mehr.

Nichtsdestotrotz skizziert der Ökonom den Handlungsbedarf, den er sieht. Angefangen bei der Bildung: „Davon profitieren Menschen ein Leben lang.“ Vor allem auf dem Arbeitsmarkt. „Im österreichischen Bildungssystem gibt es jedoch beträchtliche Baustellen. Ich denke etwa an Brennpunktschulen, bei denen zu viele Absolventen am Ende nicht ordentlich lesen und schreiben können.“

Auch die Pensionen seien ein Zukunftsthema, erläutert Sustala: „Das liegt schon daran, dass sie über das Umlagesystem finanziert werden. Jeweils Jüngere zahlen die gerade anfallenden Pensionen, dazu kommen noch Steuermittel. Das wird in den nächsten zehn Jahren zu einer wachsenden Herausforderung, weil viele Babyboomer in Pension gehen. Für Junge läuft das auf eine Doppelmühle hinaus: Sie müssen relativ hohe Pensionsansprüche befriedigen, werden sich selbst eines Tages aber mit niedrigeren Ansprüchen zufriedengeben müssen.“ Lösungen gefälligst? Sustala drängt auf eine Anhebung des Pensionsalters, das würde die Umverteilung von Jung zu Alt zumindest etwas abmildern, wie er meint.

Wie sehr die Klimawandel die Jungen tangiert, bringen sie durch ihre Proteste ohnehin schon zum Ausdruck. „Dass der CO2-Ausstoß sinken muss, ist klar“, analysiert der Autor und Ökonom: „Sonst erwarten nachfolgende Generationen neben den Folgen des Klimawandels Strafzahlungen in Milliarden-Höhe.“ Lukas Sustala fordert in diesem Zusammenhang jedoch nicht gleich eine CO2-Steuer, sondern bremst: „Ehe man neue Steuern einführt, sollte man ein weißes Blatt Papier nehmen, zusammenfassen, welche Steuern und Förderungen es bisher schon gibt, die zum Teil ja umweltschädlich sind, und dann prüfen, was im Sinne eines Lenkungseffektes nötig wäre.“ JOH

„Zu viele Absolventen von Brennpunktschulen können nicht ordentlich lesen und schreiben.“