Hard auch ohne Durchstich gespalten

Politik / 01.12.2019 • 19:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Haussegen hängt nach der Volksabstimmung schief. Fotos: VN/SAMS, PAULITSCH, HALLER

Nicht einmal die Hälfte der Harder hat abgestimmt, das Ergebnis ist aber eindeutig: 81 Prozent gegen den Durchstich am Hafen.

Hard Noch 15 Minuten, dann schließen die Wahllokale. Andreas Lunardon kommt aus Sprengel Nummer zehn. Rund 50 Prozent, schätzt er, haben die Stimme abgegeben. „Vielleicht kommt noch der Endspurt“, hofft der ÖVP-Gemeindevertreter. Seine Hoffnungen werden erfüllt, es herrscht reger Zulauf. Der letzte ist Martin Staudinger, Chef der Vorarlberger SPÖ. Eine Minute vor 13 Uhr verlässt er das Wahllokal, Lunardon schließt hinter ihm die Tür ab. Zweieinhalb Stunden später steht das Ergebnis fest: 81 Prozent der Harder lehnen den Durchstich zwischen Sport- und Zollhafen ab. Zumindest 81 Prozent der Teilnehmer. Zur Wahl gehen nämlich nur 48 Prozent aller Wahlberechtigten.

15.30 Uhr, Rathaus. Bürgermeister Harald Köhlmeier (ÖVP) verkündet: „Die Harder haben den Durchstich abgelehnt.“ Er ärgert sich: „Ich finde es schade, mit welcher Schärfe und Unsachlichkeit teilweise über das Leitbild diskutiert wurde. Wir müssen nun wieder an einem Strang ziehen.“ Anton Weber von der Harder Liste hört zu. Er lacht. Der Haussegen hängt auch nach der Abstimmung schief.

Diese Harder Familie stimmte ebenfalls ab. Die Wahlbeteiligung betrug 48 Prozent.
Diese Harder Familie stimmte ebenfalls ab. Die Wahlbeteiligung betrug 48 Prozent.
Auch Russ-Preis-Trägerin Susanne Marosch hat ihre Stimme abgegeben.
Auch Russ-Preis-Trägerin Susanne Marosch hat ihre Stimme abgegeben.
SPÖ-Chef Staudinger gab in seinem Sprengel als Letzter die Stimme ab.

Land sollte weichen

Seit Wochen diskutieren die Harder über den Durchstich. Er ist Teil des Leitbilds zur Hafenneugestaltung und lässt die Emotionen hochkochen. 9000 Quadratmeter Landfläche mit Minigolfplatz und Bäumen sollen weichen, um die Wasserflächen zu verbinden. Die Befürworter sprechen von einem wichtigen Schritt für die Hafengestaltung und den Verkehr, die Gegner befürchten vor allem, dass damit die Museumsschiffe im Sporthafen anlegen. Das wurde bereits in einer Volksabstimmung 2017 abgelehnt.

Einige Stunden vor der Ergebnisverkündung. Thomas und Bettina Stemmer spazieren mit ihrem Sohn am Hafen entlang. Sie haben ihre Stimme bereits abgegeben: „Wir hoffen, dass der Durchstich nicht gemacht wird. Es ist eine so schöne Fläche, die weichen müsste“, finden sie. „Niemand sagt etwas dagegen, dass das Strandbad renoviert wird, aber dieses Projekt ist einfach überdimensioniert.“ Die Abstimmung habe in den vergangenen Wochen innerhalb der Bevölkerung für eine Spaltung gesorgt, fahren sie fort. Die Wirtschaftsgemeinschaft (WIGE) warb mit Plakaten für den Durchstich, die Projektgegner malten Sprüche auf den Seeweg. „Trauerweide stehen lassen“, zum Beispiel. SPÖ-Chef Staudinger ist überzeugt: „Die Harder Bevölkerung will diesen Durchstich nicht. Als Bürgermeister sollte man ein Gespür für die Bevölkerung haben.“ FPÖ-Gemeindechef Matthias Lexer ergänzt: „Die Harder wissen, dass es der Starrköpfigkeit des Bürgermeisters geschuldet ist, dass dieser Durchstich als erste Maßnahme geplant war.“ Allerdings sei man auch innerhalb der Fraktion zwiegespalten gewesen.

Gemeinsam oder getrennt?

Es sind sich aber ebenso alle einig: Vor allem das Strandbad muss renoviert werden. Wie das Leitbild genau überarbeitet wird, steht in den Sternen. Es gebe keinen Plan B, betont der Bürgermeister. „Mir ist wichtig, dass wir den Plan mit allen politischen Mitbewerbern erarbeiten, damit nicht wieder eine solche Polarisierung stattfinden wird.“ Die Opposition möchte dabei sein. „Wir wurden vom Tisch verstoßen. Wir warten, dass Köhlmeier uns aufruft, wieder Platz zu nehmen“, sagt Anton Weber (Harder Liste). Alle wollen die Spaltung überwinden. Wer damit beginnt, ist offen. VN-MIP, MIH

Statements:

 Ich akzeptiere das Ergebnis selbstverständlich. Wir müssen nun die Opposition dazu bewegen, dass wieder alle an einem Strang ziehen, um das bestmögliche Ergebnis für Hard herauszuholen. Harald Köhlmeier, Bürgermeister (ÖVP)
Ich akzeptiere das Ergebnis selbstverständlich. Wir müssen nun die Opposition dazu bewegen, dass wieder alle an einem Strang ziehen, um das bestmögliche Ergebnis für Hard herauszuholen. Harald Köhlmeier, Bürgermeister (ÖVP)
 Man sieht, dass ohne Gespür für die Menschen geplant wurde. Ich bin froh, dass wir den Menschen die Abstimmung ermöglicht haben. Das Ergebnis zeigt auch, dass es eine politische Kurskorrektur braucht.  Eva Hammerer, Die Grünen
Man sieht, dass ohne Gespür für die Menschen geplant wurde. Ich bin froh, dass wir den Menschen die Abstimmung ermöglicht haben. Das Ergebnis zeigt auch, dass es eine politische Kurskorrektur braucht.  Eva Hammerer, Die Grünen
Das Ergebnis ist so klar, weil die letzten drei Bürgermeister gezeigt haben, dass sie kein Gefühl für den See haben. Die Harder haben eine besondere Beziehung zum See, das wurde nicht berücksichtigt. Anton Weber, Harder Liste
Das Ergebnis ist so klar, weil die letzten drei Bürgermeister gezeigt haben, dass sie kein Gefühl für den See haben. Die Harder haben eine besondere Beziehung zum See, das wurde nicht berücksichtigt. Anton Weber, Harder Liste