Dringliche Appelle zum Auftakt des Klimagipfels

Politik / 02.12.2019 • 22:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für seine Rede in Madrid brachte der Bundespräsident einen Kuscheleisbären mit. APA
Für seine Rede in Madrid brachte der Bundespräsident einen Kuscheleisbären mit. APA

Bis 2020 sollen alle Staaten ehrgeizigere Pläne vorlegen.

madrid Die Zeit drängt, Millionen demonstrieren – aber die Staaten handeln langsam: Mit eindringlichen Rufen nach mehr Klimaschutz hat die 25. UN-Klimakonferenz begonnen. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, sprach am Montag in Madrid von einem „Krieg gegen die Natur“, der beendet werden müsse.

Thunberg auf dem Weg

196 Staaten und die EU verhandeln in den kommenden zwei Wochen darüber, wie das Pariser Klimaabkommen verwirklicht und die Erd­erhitzung eingedämmt werden kann. Die Aktivisten von Fridays for Future und anderen Klimaschutzbewegungen werden ihnen genau auf die Finger schauen. Greta Thunberg, das Gesicht der weltweiten Jugend-Proteste, dürfte nach ihrer Atlantik-Überquerung diese Woche in Portugal ankommen, am Freitag will sie in Madrid mit Schülern demonstrieren. Bis 2020 sollen alle Staaten ehrgeizigere Pläne zur Reduzierung ihres Treibhausgas-Ausstoßes vorlegen. Zurzeit zerstöre die Menschheit wissentlich die Ökosysteme, die sie am Leben erhalten, beklagte Guterres. Vor allem die Länder mit dem größten Treibhausgas-Ausstoß müssten mehr tun. Trotz gegenteiliger Versprechen sei während der letzten zehn Jahre der Ausstoß von Treib­hausgasen jährlich im Schnitt um 1,5 Prozent gestiegen.

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen nahm am Eröffnungstag teil. Für seine Rede brachte er ein besonderes Requisit mit: einen Kuscheleisbären. Das sei ein Geschenk für einen Sechsjährigen, den Sohn einer Mitarbeiterin, erklärte der Bundespräsident. Für dessen Zukunft forderte der Bundespräsident ambitioniertere Klimaschutzmaßnahmen ein. „2020 ist das Jahr, in dem wir unsere nationalen Klimapläne nachbessern müssen. Und ab da darf es mit den klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen nur mehr in eine Richtung gehen: nach unten!“, lautete sein Appell. „Es ist nicht Schicksal“, betonte Van der Bellen, „es ist schlicht und einfach unsere Entscheidung.“ Die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versicherte in Madrid: „Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten.“ Von der Leyen will die Ziele der EU zum Einsparen von Treibhausgasen für 2030 verschärfen: 2050 soll die europäische Wirtschaft unterm Strich klimaneutral sein. Die bisherigen Klimaschutzpläne der Staaten reichen nicht, um die Erderhitzung wie 2015 in Paris vereinbart auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Geht es weiter wie bisher, könnten es bis Ende des Jahrhunderts im Mittel knapp vier Grad mehr sein. Den Vorsitz des Klimagipfels hat die chilenische Umweltministerin Carolina Schmidt, denn eigentlich hätten die Verhandlungen in Chile stattfinden sollen. Wegen der Proteste dort sprang Spanien ein. „Nur wenn wir Seite an Seite stehen, wenn wir zusammenarbeiten, können wir wirklich die größte Herausforderung angehen, die weltweit auf uns zukommt: den Klimawandel“, sagte Schmidt.

„Es ist nicht Schicksal. Es ist schlicht und einfach unsere Entscheidung.“