„Da muss man die Lehrer loben“

Politik / 03.12.2019 • 22:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

wien Die Pisa-Ergebnisse soll man nicht überbewerten, sagt der Bildungsforscher Stefan Hopmann. Der internationale Vergleich bleibe schwierig, außerdem werde nur ein kleiner Teilbereich abgefragt,

 

Wie überraschend sind die Pisa-Ergebnisse?

Hopmann Gar nicht. Sie sind hochgradig stabil, wenn man von 2008 absieht. Man kann das Ganze auch positiv formulieren: Ist es nicht toll, dass es trotz zahlreichen Umstellungen und neuen Modellen, die man den Schulen aufgezwungen hat, gelungen ist, die Ergebnisse zu halten? Da muss man die Lehrer loben.

 

Österreichs Schüler schneiden bei Pisa in Mathematik überdurchschnittlich gut ab. Bei der Matura sind die Resultate eher schlecht. Wie funktioniert das?

Hopmann „Überdurchschnittlich gut“ halte ich für irreführend. Bei Pisa wird ein kleiner Teilbereich von Mathematik bei 15- und 16-jährigen Schülern getestet. Das sagt nicht viel aus. Außerdem ist der Vergleich mit der Matura falsch. Die Zentralmatura bringt andere Probleme mit sich; und ist überhaupt ein komplett anderer Test.

 

Wie aussagekräftig ist Pisa?

Hopmann Länder wie Polen und Island haben viel Energie hineingesteckt, um sich für Pisa vorzubereiten. Hat es etwas gebracht, was die Abschlüsse in der Sekundarstufe zwei oder die Jugendarbeitslosigkeit angeht? Nein. Das zahlt sich nicht aus. Man darf das nicht überbewerten. Man kann auch die Länder nur schwer vergleichen. China schließt zum Beispiel einen hohen Teil der Schüler vom Test aus. Was wäre, wenn wir die Schüler mit Migrationshintergrund ausschließen?

 

Warum tun sich in Österreich Schüler mit Migrationshintergrund so schwer?

Hopmann Man muss sich vor allem den sozialen Hintergrund ansehen. Aus historischen Gründen hat Österreich lange viele wenig qualifizierte Zuwanderer angezogen. Wenn Schüler Eltern mit geringem Bildungsstand haben, dann macht sich das auf die Schulleistung der Kinder bemerkbar. Das gilt genauso für Österreicher. Wir haben ein Schulsystem, das nicht besonders gut darin ist, soziale Nachteile auszugleichen. Für die Förderung der Schwächsten wird nicht genug Geld und Personal eingesetzt. VN-RAM