Nach Tory-Triumph: Labour-Chef Corbyn geht

Politik / 13.12.2019 • 06:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Oppositionsführer Jeremy Corbyn  kündigte seinen Rückzug an.

London Nach Auszählung von drei Viertel der Wahlkreise lagen die Konservativen mit 245 zu 166 Mandaten vor der Labour Party. Premierminister Boris Johnson wertete den sich abzeichnenden Erdrutschsieg der Tories als „historisch“ und „mächtiges Mandat für den Brexit“. Die britische Regierung habe nun die Gelegenheit, „den demokratischen Willen des britischen Volkes zu respektieren“. Mit der Arbeit daran werde man schon „heute“ beginnen, sagte Johnson bei der Verkündung des Ergebnisses in seinem Londoner Wahlkreis. Johnson hatte die vorgezogene Wahl angesetzt, um eine Mehrheit für seinen Austrittsdeal mit der EU zu bekommen.

Die Labour Party dürfte unter die symbolische Marke von 200 Mandaten fallen, was das schlechteste Ergebnis seit dem Jahr 1935 wäre. Corbyn zog bei der Verkündung des Ergebnisses in seinem Londoner Wahlkreis Islington die Konsequenzen. „Ich werde die Partei nicht in eine weitere Wahl führen“, sagte der Oppositionsführer. Die Vorschläge von Labour seien „außerordentlich populär“ gewesen, doch habe der Brexit das Land polarisiert und soziale Themen überdeckt. „All diese Fragen werden wieder in den Mittelpunkt zurückkehren“, betonte er.

Zuvor hatten mehrere Labour-Spitzenpolitiker Corbyn zum sofortigen Rücktritt aufgefordert. „Das ist die Schuld eines Mannes. Seine Kampagne, sein Wahlprogramm, seine Führung“, schrieb die langjährige Labour-Abgeordnete Siobhain McDonagh. „Labour muss entgiftet werden“, meinte die im Wahlkreis Stoke-on-Trent North abgewählte Mandatarin Ruth Smeeth.

Die ersten Ergebnisse der Wahlnacht hatten ein „Blutbad“ in bisherigen Labour-Hochburgen in Nordengland gezeigt. Die Konservative konnten dabei mehrere Sitze gewinnen, die bisher immer von Labour besetzt worden waren. Johnson hatte dort erfolgreich mit seinem Versprechen, „den Brexit durchzuziehen“, um europakritische Labour-Wähler geworben. Zugleich gelang es der Oppositionspartei nicht, wesentliche Gewinne in europafreundlichen Wahlkreisen zu verbuchen. Anders als erhofft kam es dort nicht zu taktischen Stimmabgaben, weswegen mehrere prominente Tory-Abgeordnete ihre Mandate retten konnten.