Warum Johnson bei der Großbritannien-Wahl triumphierte

Politik / 13.12.2019 • 18:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Konservativen von Premierminister Boris Johnson errangen die absolute Mehrheit. AFP

Die britische Politikwissenschaftlerin Melanie Sully erklärt das Wahlergebnis.

London Die Menschen im Vereinigten Königreich hätten genug vom Chaos und der Unsicherheit rund um den Brexit, sagt die Politologin Melanie Sully, die in Wien das „Go Governance“-Institut betreibt. Premierminister Boris Johnson punktete mit einer eindeutigen Linie.

Nach der Wahl haben die Konservativen eine absolute Mehrheit im Unterhaus. Tritt Großbritannien nun tatsächlich am 31. Jänner aus der EU aus?

Das Brexit-Gesetz dürfte nächste oder übernächste Woche neuerlich im Unterhaus eingeleitet werden und in der zweiten Lesung durchgehen. Anschließend muss es noch vom Oberhaus behandelt werden. Eine Blockade durch die Lords ist aber unwahrscheinlich. Bis Ende Jänner wäre dann alles für den EU-Austritt auf Schiene.

Wie ist der klare Tories-Sieg erklärbar?

Johnson und seine Partei haben mit einer klaren Ansage triumphiert. Sie haben damit geworben, das Chaos, die Patt-Situation rund um den Brexit zu beenden. Labour stand für eine Verlängerung der Unsicherheit. Das war auch der Fehler von Parteichef Jeremy Corbyn. Er hat sich nicht eindeutig für den EU-Verbleib und ein zweites Referendum positioniert. Dabei ist Großbritannien ein stark polarisiertes Land.

Wie geht es jetzt mit Labour weiter?

Die Partei muss erst ihre Wunden lecken und darüber nachsinnen, wo die Fehler lagen. Es wird um die Brexit-Linie und das Programm gehen, aber auch um die Frage, wie mit den Antisemitismus-Vorwürfen umgegangen wurde. Labour steht vor einer Neustrukturierung.

Corbyn will seine Partei in keinen Wahlkampf mehr führen. Wer kommt als neuer Chef in Frage?

Viele Parteimitglieder wünschen sich eine Frau als künftige Chefin. Für sie ist es eine Schande, dass es noch niemals eine Obfrau gab. Dabei würde es in den Reihen von Labour viele talentierte weibliche Abgeordnete geben.