Strache feilt an seinem politischen Comeback

Politik / 14.12.2019 • 21:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Der enorm große Zuspruch lässt mich verstärkt über ein politisches Comeback 2020 nachdenken“, sagt Strache am Freitag. APA

FPÖ schmeißt Ex-Chef raus. Dieser will es nochmal wissen.

Birgit Entner-Gerhold

Wien „Glück auf“, sagt Heinz-Christian Strache, als er in die Kamera blickt und eine Botschaft für seine Anhänger aufzeichnet. Seine Mitgliedschaft in der FPÖ ist jetzt Geschichte. „Nun richte ich meinen Blick nach vorn“, erklärt der frühere Parteiobmann der Freiheitlichen nach dem Rausschmiss aus der FPÖ. Ein politisches Comeback schließt er nicht aus. 

Einst war Strache blauer Hoffnungsträger. Er führte die Partei von unglaublichen Niederlagen zu fast unfassbaren Erfolgen. Das Amt des Vizekanzlers war der Höhepunkt seiner Karriere. Nach eineinhalb Jahren an der Regierungsspitze brachte ein Skandal-Video aus Ibiza Strache aber zu Fall. Der frühere FPÖ-Chef hatte im Gespräch mit einer vermeintlichen Oligarchen-Nichte Korruptionsfantasien spielen lassen. Der Rest ist bekannt. Strache legt sein Amt als Vizekanzler und Parteiobmann nieder. Wenige Monate später kündigt er angesichts der ihn belastenden Spesenaffäre an, sich endgültig aus der Politik zurückzuziehen. Die FPÖ suspendiert ihn. Immer wieder meldet sich Strache zu Wort. Zuletzt bietet er den Wiener Freiheitlichen an, als Spitzenkandidat für die Wahl 2020 zur Verfügung zu stehen. Jetzt haben sie ihn ausgeschlossen. Der Grund: parteischädigendes Verhalten.

Straches neue Begleiter

Strache hat es mit seinen medialen Äußerungen, Postings und Auftritten auf die Spitze getrieben, befindet das blaue Parteigericht. Mit den Spesen-Vorwürfen habe der Rausschmiss  nichts zu tun. Auch sei die jüngste Parteispaltung bei der Entscheidungsfindung kein Thema gewesen.

Am Donnerstag gaben drei Wiener Gemeinderäte bekannt, aus der FPÖ auszutreten und einen eigenen Klub zu gründen. Sie wollen mit ihrer Bewegung „Die Allianz für Österreich“ 2020 in den Wiener Wahlkampf ziehen, bestenfalls mit Strache als Spitzenkandidat. Stadtparteiobmann Dominik Nepp und Bundes-FPÖ-Chef Norbert Hofer bleiben gelassen. Man könne die Entscheidung der drei abtrünnigen Freiheitlichen nicht einmal als Spaltung bezeichnen. Sie fielen nicht ins Gewicht. Hofer sagt, er sei vielmehr erleichtert über den Ausschluss Straches: „Für uns ist es eine Befreiung.“ Jetzt will der Parteichef die FPÖ auf neue Beine stellen. Es solle eine seriöse, stabile und rechtskonservative Bewegung entstehen, die auch mit einer neuen Bescheidenheit ausgestattet sei. Inhaltlich will Hofer weiterhin auf die Kernthemen Sicherheit, Migration und Soziales setzen. Einen neuen Fokus möchte er auf Bildung und „Klimaschutz mit Hausverstand“ legen. Ziel des FPÖ-Obmanns ist es, eine stabile 25-Prozent-Partei zu werden – ohne Skandale und ohne Personenkult.

Strache nimmt all das zur Kenntnis. Gegen seinen Parteiausschluss legt er keinen Einspruch ein. Seine Bemühungen um eine Streitschlichtung hätten keinen Anklang gefunden, sagt der Ex-Blaue. „Der enorm große Zuspruch, den ich aus der Bevölkerung in den letzten Wochen und Monaten erhalten habe, lässt mich aber verstärkt über ein politisches Comeback 2020 nachdenken und motiviert mich, der Politik, meinen Anhängern und den Bürgern dieses Landes nicht den Rücken zuzukehren.“

Straches Ausgangslage

Ob Strache überhaupt Chancen hat? Laut einer aktuellen Umfrage käme er derzeit österreichweit auf drei Prozent (1001 Befragte, „Österreich“), bei der Wien-Wahl läge er bei vier Prozent (400 Befragte, „Österreich“). Eine Karmasin-Umfrage mit 3000 Österreichern ergab Ende November: 5,2 Prozent würden eine Philippa-und-Heinz-Christian-Strache-Partei sicher wählen, weitere neun Prozent möglicherweise. In Wien liegen die Werte bei 7,8 beziehungsweise 10,3 Prozent.