Bürgermeister unter Belastung

Politik / 16.12.2019 • 22:31 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nach 30 Jahren im Amt sucht der Lorünser Bürgermeister Lothar Ladner einen Nachfolger. Ganz einfach ist das nicht. Gemeinde
Nach 30 Jahren im Amt sucht der Lorünser Bürgermeister Lothar Ladner einen Nachfolger. Ganz einfach ist das nicht. Gemeinde

Wie Gemeindechefs ihre Arbeit bewerten und warum Lorüns noch auf der Suche ist.

Wien, Schwarzach Lothar Ladner sucht einen Nachfolger. Bei den Gemeindewahlen im kommenden Jahr steht er als Lorünser Bürgermeister nicht mehr zur Wahl. 30 Jahre lang ist der 65-Jährige schon im Amt. Jetzt sei aber genug. Vieles habe sich im Laufe der Zeit verändert, sagt Ladner: mehr Sitzungen, mehr Komplexität, mehr Informationsbedarf, mehr Belastung.

Mit diesem Eindruck ist der Lorünser Bürgermeister nicht allein, wie eine aktuelle Umfrage des Österreichischen Gemeindebunds zeigt. Mehr als die Hälfte der 530 Befragten geben an, einer großen Belastung ausgesetzt zu sein. Außerdem stimmen fast drei Viertel der Bürgermeister der Aussage zu, deutlich mehr Verantwortung tragen zu müssen. Oft stehe das in keinem Verhältnis mehr. Sie sehen sich mit wachsender Bürokratie, großem Zeitaufwand, steigenden Anfeindungen und hohen Ansprüchen der Bürgerinnen und Bürger konfrontiert. 60 Prozent meinen, dass sie zunehmend eine vermittelnde Rolle einnehmen und mehr kommunizieren müssen.

Mehr Diskussionen

Davon berichtet auch Lothar Ladner: „Die Bürger erwarten, dass man sie mehr einbindet, dass es Diskussionen gibt. Früher waren Entscheidungen in der Gemeindevertretung deutlich schneller möglich. Jetzt braucht es mehrere Runden, um etwas weiterzubringen.“ Zum Zeitaufwand hält der Lorünser Bürgermeister fest, dass in jeder Kommune unterschiedliche Voraussetzungen bestünden. „In einer Kleingemeinde ist es anders als in der Stadt. Wir haben einen Gemeindesekretär und sonst nichts.“ Es gebe keinen Bauhof, da fielen zahlreiche Aufgaben auf den Bürgermeister zurück. „Wenn das Wasser etwas hat, sehe ich das auf meinem Handy. Dann muss ich schauen, was wir machen können.“ Gleiches gelte bei der Straßenbeleuchtung und vielen anderen Themen. „Da bist du überall Ansprechpartner. Da braucht es jemand mit Hausverstand, der mit solchen Situationen umgehen kann.“ Flexibilität sei  erforderlich, sagt Ladner. Sein Arbeitgeber, die Montafoner Bahn, habe ihm diese immer gewährt.

Der Bürgermeister hält fest, dass es in Lorüns eigentlich nicht am Nachwuchs fehlen würde. „Wir haben einige sehr gute, engagierte Leute.“ Die große Herausforderung wäre aber, Beruf, Amt und Familie unter einen Hut zu kriegen. Irgendwo stoße man an seine Grenzen, meint auch Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl bei der Präsentation der Bürgermeister-Befragung. Die Ortschefs hätten zu viele Rollen einzunehmen: „Sie sollen gleichzeitig Finanz- und Raumordnungsexperten sein, die infrastrukturellen und gesundheitspolitischen Hürden nehmen und noch Mediatoren oder Psychologen bei Konflikten sein.“

Als größte Herausforderungen stufen die Gemeindechefs Finanzen, Kinderbetreuung, Infrastruktur, Altenbetreuung und Pflege, Raumordnung sowie Schule und Bildung ein. In Lorüns sei der räumliche Entwicklungsplan gerade aktuell, sagt Ladner. Das Interesse führt er auf die Klimaschutzdebatte und die steigende Naturverbundenheit zurück.

„Viele schöne Stunden“

Am Ende zieht der Lorünser Bürgermeister trotz allem eine positive Bilanz. In den vergangenen 30 Jahren habe er im Amt viele schöne Stunden erlebt. „Man kann mitgestalten und vieles bewegen.“ Je länger und älter er aber werde, desto belastender sei es. „Es ist anders, als in den ersten Jahren.“ Nun wäre die Zeit gekommen, an einen Nachfolger zu übergeben. Lothar Ladner muss ihn nur noch finden. VN-ebi

„Sie sollen Finanz- und Raumordnungsexperten und gleichzeitig Psychologen sein.“

Bürgermeister-Umfrage

56 Prozent der Bürgermeister sehen sich einer sehr großen Belastung ausgesetzt. 69 Prozent sagen, es seien besondere Kenntnisse für das Amt notwendig.

 

60 Prozent meinen, dass sie mehr kommunizieren müssen. Die Gründe: Autoritätsverlust, zunehmende Aggressivität im Umgang miteinander und ein kühleres gesellschaftliches Klima.

 

73 Prozent meinen, dass die Verantwortung in der Bürgermeisterrolle oftmals nicht verhältnismäßig ist.